Unberechtigte Kritik am Baukindergeld

-
25. Januar 2019
-
Dieter Jurgeit

Im vergangenen Jahr wurde das Baukindergeld vom Bundestag verabschiedet, es kann rückwirkend für Kaufverträge und Baugenehmigungen ab dem 1. Januar 2018 beantragt werden. Gut 56.000 Familien haben im vergangenen Jahr einen Antrag auf den Zuschuss gestellt, allerdings nur jede achte Familie für den Neubau eines Eigenheims. Ein Umstand, der jüngst Kritiker auf den Plan rief: Das Baukindergeld verfehle seinen Zweck.

Die aktuelle Kritik am Baukindergeld ist unberechtigt. Es ist dafür da, Familien den Schritt in die eigenen vier Wände zu erleichtern. Und das tut es – ganz gleich, ob es sich um Neubau oder Bestandsimmobilie handelt. Vor allem, weil Eigentum nach wie vor die beste Altersvorsorge ist. 1.200 pro Kind und Jahr können Familien zehn Jahre lang bekommen. Es gelten Einkommensgrenzen von 90.000 Euro bzw. bei größeren Familien auch um 15.000 Euro pro Kind höher. 

Das Baukindergeld ist nicht das Problem

Es ist der falsche Ansatz, jetzt das Baukindergeld zu kritisieren. Um Familien und Menschen mit mittleren und geringen Einkommen beim Erwerb von Wohneigentum zu helfen, muss noch an weiteren Stellschrauben gedreht werden. Eine Reform der Grunderwerbsteuer ist dringend notwendig, um die Situation auf dem Wohnungsmarkt zu entspannen und den Neubau von Wohnungen und Häusern voranzutreiben.

Es sollte einen Freibetrag geben, der die Kaufsumme bis zu einer bestimmten Höhe von der Steuer befreit, wenn der Käufer die Immobilie selbst bewohnen will. Ein solcher Freibetrag entlastet private Käufer – und schließlich den gesamten Wohnungsmarkt. Und auch eine Stundung der Beträge sollte ins Auge gefasst werden. Das wäre eine Entlastung für die Familien ohne das den Ländern die wichtigen Einnahmen wegbrechen. 

Bisher schlagen die Nebenkosten beim Wohnungs- oder Hauskauf in Deutschland im Vergleich zum Rest Europas kräftig zu Buche. Die Grunderwerbsteuer schwankt als Ländersache kräftig, wurde seit 2007 bereits 27 Mal erhöht. Mit 6,5 Prozent ist sie in Nordrhein-Westfalen, Thüringen, Schleswig-Holstein, Brandenburg und im Saarland besonders hoch, auch Hamburg verlangt mit 4,5 Prozent recht viel.

In Großbritannien gilt für Käufer einer Immobilie ein Freibetrag von bis zu 125.000 Pfund. Wer zum ersten Mal eine Immobilie erwirbt, wird bis zu einem Kaufpreis von 300.000 Pfund von der Steuer befreit. In den Niederlanden wurde im Jahr 2011 die Grunderwerbsteuer von sechs Prozent auf zwei Prozent gesenkt; private Haushalte, die einen Neubau erwerben, sind komplett befreit. 

Ein Freibetrag entlastet private Käufer und den Wohnungsmarkt. Wer in die eigenen vier Wände zieht, macht oft eine Mietwohnung frei. Jedes neu errichtete Einfamilienhaus macht über Umzugsketten die Wohnsituation von drei Haushalten besser. Über diese Sickerungseffekte wirkt die Schaffung von selbstgenutztem Wohneigentum wie ein Wohnförderprogramm. 

Ein Kommentar von Dieter Jurgeit, Vorsitzender des Vorstands des Verbands der PSD Banken e.V.