Und immer wieder Schiffskredite …

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10. Februar 2017
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Von William Wilkes, Max Colchester, Stefan Hirschmann

Lange waren deutsche Banken die größten Emittenten von Frachtschiffskrediten. Allein die HSH Nordbank hatte so viele Schiffskredite vergeben, dass ihr letztendlich eine Flotte gehörte, die größer war als die der britischen, französischen und deutschen Marine zusammen.

Die globale Frachtkrise bereitet deutschen Banken mittlerweile dauerhafte Kopfschmerzen: Die Commerzbank hat gewarnt, dass die Verluste mit Schiffskrediten dieses Jahr auf 600 Millionen Euro steigen könnten, nachdem sich die entsprechende Risikovorsorge schon 2016 fast verdoppelt hatte – auf nahezu 559 Millionen Euro. Die Deutsche Bank berichtete zuvor, dass sich ihre erwarteten Verluste mit Schiffskrediten im Vorjahresvergleich auf 346 Millionen Euro fast verdreifacht hätten. Ein weiterer Problemfall ist die HSH Nordbank, die gerade einen Käufer für sich selbst sucht, um eine Liquidierung zu vermeiden. Das Institut hat mit Schiffskrediten hohe Verluste gemacht. Mitte November 2016 musste die DVB Bank sogar von ihrer Muttergesellschaft, der DZ Bank AG, gestützt werden. Die Belastungen aus der Schiffs- und Offshorefinanzierung konnte die Bank selbst nicht mehr tragen.

Vor der Krise waren deutsche Banken die größten Emittenten von Frachtschiffskrediten. Vergangenes Jahr hielten sie 90 Milliarden Dollar solcher Papiere, was fast einem Viertel aller unbeglichenen Schiffskredite großer Banken entspricht. Das berichtet Petrofin Global Bank Research. Deutschen Banken und Investoren gehört ein größerer Teil der weltweiten Containerkapazitäten als jedem anderen Land – rund 29 Prozent, berichtet der Verband Deutscher Reeder.

Die fallenden Frachtpreise und die Insolvenz von Hanjin Shipping aus Südkorea im vergangenen Jahr verursachten ein Blutbad in der Branche. Banken aus aller Welt werfen jetzt ihre faulen Schiffskredite auf den Markt, während Reeder wertlose Schiffe loswerden wollen. "Der Markt verfällt, und alle wollen raus", sagt Basil Karatzas, Gründer von Karatzas Marine Advisors & Co. in New York. Anstatt Schiffskredite schnell abzuschreiben, haben viele Banken zugelassen, dass sie ihre Gewinne langsam aufzehren. Die Bankenaufsicht will nun eingreifen, um das Problem der Schiffskredite schneller zu lösen. Banken verlangen indes, dass sie künftig geringere Kapitalpolster für solche Kredite vorhalten müssen.

Die HSH Nordbank hatte so viele Schiffskredite vergeben, dass ihr letztendlich eine Flotte gehörte, die größer war als die der britischen, französischen und deutschen Marine zusammen. EU-Behörden haben angeordnet, dass die Bank bis Anfang nächsten Jahres privatisiert oder geschlossen wird. Als der Frachtmarkt einbrach, retteten die Eigentümer der HSH die Bank mit Milliarden aus der Steuerkasse und stellten außerdem 10 Milliarden Euro an Garantien bereit, um Verluste mit faulen Krediten auszugleichen. EU-Behörden hielten das jedoch für eine rechtswidrige Beihilfe. Die staatlichen Besitzer der HSH müssen ihren 85-Prozent-Anteil an der Bank nun bis Februar nächsten Jahres verkaufen. Die Bank versucht sich daher möglichst von ihrer Schokoladenseite zu präsentieren. Sie richtete eine Bad Bank ein, die letztes Jahr 253 Containerschiffe übernommen hat. Das Management der HSH hat Roadshows in London veranstaltet und auch um potenzielle Investoren in Asien geworben. Erste Gebote für die Bank werden für Ende Februar erwartet. Ein Verkauf muss von der EU abgesegnet werden.

In Hamburg wächst indes die Kritik an der HSH. Der Hamburger Geschäftsmann Bernd Kortüm saß zwischen 2004 und 2015 im Aufsichtsrat der Bank. In dieser Zeit räumte diese seiner Firma Kredite in Milliardenhöhe ein. Ende vergangenen Jahres erhielt Kortüms Firma einen Schuldenerlass von rund 500 Millionen Euro von der HSH. In diesem Zeitraum kaufte Kortüm sich eine 40-Meter-Rennyacht. Lokalpolitiker waren entsetzt. Man müsse Schulen bauen, die Polizei finanzieren, Straßen reparieren, während ein Millionär seine Schulden erlassen bekomme, sagt Wolfgang Kubicki, der für die FDP im schleswig-holsteinischen Parlament sitzt. Das sei nicht zu rechtfertigen. Kortüm sagt, dass die HSH ihr Geld zurückerhalten werde, wenn sich der Frachtmarkt wieder erholt. Genauer wollte er nicht ins Detail gehen. In anderen Interviews hatte er gesagt, dass der Zeitpunkt des Bootskaufs unglücklich gewesen sei. Die enge Zeitplan für die Privatisierung der Bank bedeutet, dass sie faule Kredite wahrscheinlich mit deutlichen Abschlägen verkaufen muss. Die 10 Milliarden Euro an Staatsgarantien dürften dadurch aufgezehrt werden, sagt HSH-Chef Stefan Ermisch.

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