Tesla und die Nasdaq: Fragen zur Kontrolle der US-Finanzmärkte

-
13. August 2018
-
Von Akane Otani

Nach der Ankündigung von Tesla-Chef Elon Musk, sein Unternehmen von der Börse nehmen zu wollen, stellt sich eine bohrende Frage: Warum ließ die Nasdaq den Handel mit der Aktie noch mehr als eine Stunde lang weiterlaufen? Musk hatte am vergangenen Dienstag um 12:48 Uhr per Twitter gemeldet, er habe eine Finanzierung für einen Buy-out zu einem Kurs von 420 US-Dollar zusammen. Das entsprach zu jenem Zeitpunkt einem Aufschlag von 16 Prozent. Danach kam es zu einem Ansturm auf die Aktie, bis der Handel um 14:08 Uhr ausgesetzt wurde. Doch in den 80 Minuten davor haben kaufende oder verkaufende Anleger womöglich mangels eindeutiger Informationen einen Nachteil hinnehmen müssen.

Typischerweise wird der Handel mit einer Aktie unterbrochen, wenn es kursrelevante Neuigkeiten gibt. Im Regelfall bleibt der Handel so lange ausgesetzt, bis sich die Neuigkeit ausreichend klar herauskristallisiert hat. Andere Investoren fragen, warum die Unterbrechung um 15:45 Uhr plötzlich wieder aufgehoben wurde. Die Nasdaq-Episode ist nur ein weiteres Kapitel, das Fragen zur Kontrolle an den US-Finanzmärkten aufkommen lässt. "Wir wissen nicht, wie sich die Nasdaq darum bemüht hat, ein klareres Bild der Vorgänge zu erhalten", springt der frühere Chairman der US-Börsenaufsicht, Harvey Pitt, für die Nasdaq in die Bresche. Doch er meint auch: So etwas habe es noch nicht gegeben und sei hochproblematisch.

Es geht auch nicht nur um den Entscheidungsprozess hinter der Handelsunterbrechung. Die SEC untersucht aktuell vor allem den Wahrheitsgehalt der Aussagen von Musk, wie das "Wall Street Journal" berichtete. Eigentlich muss eine im Nasdaq gelistete Firma über ein elektronisches System den Börsenbetreiber zehn Minuten vor wichtigen Nachrichten informieren. Dann kann sich die Nasdaq mit dem Unternehmen abstimmen und über eine Handelsunterbrechung entscheiden. Ein solches Vorgehen sorge für faire Regeln für die Anleger an der Börse, meinen Compliance-Experten.

Nasdaq hätte schneller handeln sollen

Doch offenbar war die Nasdaq über Musks Tweet überhaupt nicht im Bilde. Das wäre laut mehreren Händlern und Regulierungsexperten ein klarer Verstoß gegen die Regeln. Ein Tesla-Sprecher schwieg sich dazu aus, ob sein Unternehmen vor dem Tweet die Börse informiert hatte. Auch die Nasdaq wollte sich zu der Angelegenheit nicht äußern. Bei einem Verstoß gegen die Nasdaq-Regeln droht einem Delinquenten eine öffentliche Maßregelung oder gar ein De-Listing. Manche meinen, die Nasdaq hätte schneller agieren sollen. Zudem seien im Verlauf des Tages auch noch Nachrichten durchgesickert, wonach ein saudischer Staatsfonds ein 2 Mrd. Dollar schweres Paket von Tesla-Aktien erwirbt. Die Nasdaq hätte den Handel gar nicht wieder so schnell anfahren lassen dürfen, argumentieren deswegen andere. 

Früher waren Börsen einmal nicht-profitorientierte Unternehmen, was sich in den 2000er-Jahren änderte. Deshalb habe der Druck zugenommen, Firmen auf die eigenen Kurszettel zu bekommen. Von daher seien die Börsenbetreiber inzwischen ein wenig Geiseln der Konzerne geworden, die bei ihnen gelistet seien, monieren Kritiker. Für den als vorbildlich geltenden US-Finanzmarkt geht es um viel. Sollten Anleger das Vertrauen verlieren, würde der Handel an andere Finanzplätze abwandern, erläutert Finanzprofessorin Reena Aggarwal von der Georgetown-Universität. (DJN) 

Bildquelle: ©Tramino | istockphoto.com