Terrorismusrisiken erkennen

ERM
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20. September 2017
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Peter Brink

Terrorismus und politische Gewalt sind zunehmende Unternehmensrisiken, die noch durch weltweit immer weiter verzweigte Lieferketten und der damit verbundenen Abhängigkeit von einer Vielzahl an Zulieferern verstärkt werden. Unter Risikomanagern herrscht oft noch Unklarheit darüber, wie diese neue Risikoart abgesichert werden kann, welche Risiken in ihrer Deckung exakt ein- oder ausgeschlossen sind und ob ihr Schutz tatsächlich adäquat ist.

Terrorismus und politische Gewalt sind heute ein globales Problem – und dazu auch eines mit einem möglichen enormen finanziellen Schadenpotenzial. Selbst, wenn Unternehmen kein unmittelbares Ziel und nicht mit direkten Sachschäden konfrontiert sind, können sie vor dem Hintergrund einer globalisierten Wirtschaft dennoch signifikante Schäden erleiden: Kommt es, etwa infolge eines Anschlags oder eventuell schon bereits bei einer Terrorwarnung, zur Sperrung bestimmter Verkehrswege oder ganzer Stadtbezirke, kann dies Lieferverzögerungen oder sogar Betriebsunterbrechungen zur Folge haben. Verstärkt wird dieses zunehmende Unternehmensrisiko noch durch weltweit immer weiter verzweigte Lieferketten und der damit verbundenen Abhängigkeit von einer Vielzahl an Zulieferern – eine Entwicklung, durch die sich auch ein Vorfall am anderen Ende der Welt auf die lokale Geschäftstätigkeit von Firmen massiv auswirken und diese sogar zum Erliegen bringen kann. Eine solche Störung der regulären Geschäftstätigkeit kann für Unternehmen sogar weitaus schwerwiegender sein als ein potentieller Sachschaden.

Terrorversicherungen stärker nachgefragt
Aus diesem Grund hat das Interesse an entsprechenden Versicherungslösungen für Terror und politische Gewalt in jüngster Zeit zugenommen. Wachsende Nachfrage ist vor allem seitens der Rohstoffindustrie mit den dazugehörigen Dienstleistungsunternehmen, der Bau- und Ingenieurbranche sowie von Banken und dem Finanzsektor zu verzeichnen. Aber auch mittlere und kleinere Unternehmen interessieren sich verstärkt für eine Absicherung. Schließlich sind gerade sie es, bei denen etwaige Geschäftsverluste am schwersten wiegen können.

Vorhandener Versicherungsschutz häufig unklar
Allerdings herrscht nach wie vor oftmals noch Unklarheit darüber, wie sie gegen die neue Risikoart abgesichert sind, welche Risiken in ihrer Deckung exakt ein- oder aber ausgeschlossen sind und ob ihr Schutz tatsächlich adäquat ist. Gerade, weil die Grenzen zwischen Sach- und Betriebsunterbrechungsversicherungen sowie im Hinblick auf Terror und politische Gewalt häufig äußerst komplex sind, können leicht Deckungslücken entstehen. Zudem können die Definitionen und Auslegungen der Risiken, die zu Schäden führen, oftmals variieren. Unternehmen sollten daher nicht dem Irrtum erliegen, dass sie über einen angemessenen Versicherungsschutz verfügen, sondern ihre Versicherungspolice hinsichtlich Terrorrisiken genau prüfen.

Autor: Peter Brink ist Property Underwriting Manager Germany bei der Chubb European Group Limited.

 

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