Starke Banken gefragt, aber Fusion derzeit unwahrscheinlich

ERM
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26. September 2018
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Von Andreas Kissler und Christian Grimm

Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Dieter Kempf, hat heute vor dem Hintergrund der Diskussion um mögliche Bankenfusionen die Bedeutung eines großen deutschen Instituts für die Wirtschaft betont.

"Natürlich braucht die deutsche Industrie ein starkes deutsches Bankinstitut", sagte Kempf beim Tag der Deutschen Industrie in Berlin. „Eine deutsche Wirtschaft braucht eine starke Begleitung eines starken deutschen Bankinstituts mit ihren weltweiten Aktivitäten." Kempf nannte die beiden großen deutschen Banken und verwies auf deren Positionierung in Börsenbarometern. "Wir können alle nicht glücklich sein, wenn die Deutsche Bank aus dem EuroStoxx rutscht", sagte er. "Wir können nicht gefühllos zuschauen, wie die Commerzbank aus dem DAX fällt."

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing hatte am Vorabend bei der Eröffnung des Tags der Industrie der immer wieder ins Spiel gebrachten Fusion mit der Commerzbank auf kurze Sicht eine Absage erteilt. "Ich kann Ihnen sagen, dass wir in der Deutschen Bank, ganz ehrlich gesagt, unsere Hausaufgaben machen müssen", so Sewing. Zunächst müsse in den nächsten anderthalb Jahren die Profitabilität der Bank gesteigert werden. "Wenn das geschehen ist, können wir über andere Dinge reden", hatte der Vorstandschef aber auch gesagt. 

Neue Nahrung hatte die Fusionsspekulation durch Finanzminister Olaf Scholz (SPD) erhalten, der global tätige Banken in Deutschland haben und eine Politik für den Finanzstandort Deutschland machen will. Die Gerüchte über ein Zusammengehen von Deutscher Bank und Commerzbank hatten zuletzt die Aktienkurse beider Unternehmen steigen lassen. Sie gelten als angeschlagen und sind weit entfernt von alter Stärke. Der deutsche Branchenprimus hat außerdem derzeit die Eingliederung der Postbank zu verdauen.

Zudem hat die blaue Bank immer wieder Ärger mit den Aufsehern. Nach dem Willen der deutschen Finanzaufsicht BaFin muss das Frankfurter Institut mehr im Kampf gegen Geldwäsche und Terrorfinanzierung tun. Dabei wird ihm ein Sonderbeauftragter zur Seite gestellt. Die Behörde ordnete an, die Bank müsse "angemessene interne Sicherungsmaßnahmen" ergreifen und "allgemeine Sorgfaltspflichten" einhalten". (DJN) 

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