Schiffsfinanzierungen belasten die Commerzbank

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09. Februar 2017
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Redaktion RISIKO MANAGER

Die Commerzbank zeigt sich derzeit von verschiedenen Seiten. Die Kernkapitalquote von 12,3 Prozent hat positiv überrascht, aber die Risiken überwiegen die Chancen aufgrund des aktuellen Konzernumbaus. 2017 ist ein Übergangsjahr für die Bank, aber die Schiffsrisiken sind nach wie vor hoch.

Die Commerzbank hat im vierten Quartal trotz leicht höherer Erträge weniger verdient als im Vorjahr. Weder im Quartal noch im Gesamtjahr fielen die Zahlen gleichwohl nicht so schwach aus wie erwartet, auch wenn von dem Milliardengewinn 2015 nur noch etwa ein Viertel übrigblieb. Bei der Kapitalausstattung machte die Bank Fortschritte: Die Kapitalquote legte deutlich zu. Für das laufende Jahr sind keine Gewinnsprünge zu erwarten, denn 2017 und 2018 werden ganz im Zeichen des Umbaus der Commerzbank stehen. Deshalb ließ sich Vorstandschef Martin Zielke, der die chronische Profitabilitätsschwäche der Bank beseitigen will, nicht auf eine konkrete Prognose festnageln. Der Umbau soll bis 2020 abgeschlossen sein.

Was den Gewinn deutlich schmälerte, war die höhere Risikovorsorge. Sie stieg im Schlussvierteljahr wegen der erhöhten Rückstellungen auf das verbleibende Portfolio an Schiffskrediten der Commerzbank auf 290 von 112 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Im Gesamtjahr kletterte die Risikovorsorge auf 900 von 696 Millionen Euro, wobei die Schiffskredite 516 Millionen Euro ausmachten. Das Schiffsproblem ist angesichts der weiter schwächelnden Märkte längst nicht ausgestanden. "Unsere Sicht auf die Schiffsmärkte ist für 2017 genauso kritische wie 2016", sagte Finanzchef Stephan Engels auf der Bilanzpressekonferenz. Im ohnehin schwachen Containerbereich seien mehr Neuanlieferungen als Verschrottungsvolumina zu beobachten. Er geht davon aus, im kommenden Jahr eine Risikovorsorge für die Schiffsfinanzierung von 450 bis 600 Millionen Euro zu buchen. Die Bank will ihr Portfolio von Schiffskrediten bis 2020 vollständig abbauen.
 
Entsprechend dürfte vom Gewinn nicht allzu viel zu erwarten sein, zumal 2017 der erste Teil der Restrukturierungsaufwendungen von insgesamt 1,1 Milliarden Euro für das Programm "Commerzbank 4.0" verbucht werden soll. Voraussichtlich werde in diesem Jahr in etwa die Hälfte der veranschlagen Summe fällig, der Rest dann 2018, sagte Zielke. Dem Umbau sollen rund 9.600 Stellen zum Opfer fallen. Die Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern sollen in den kommenden Wochen beginnen. "Wir wollen so weit wie möglich auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten", sagte Zielke. Komplett ausschließen wollte er dies aber nicht. Als Ziele gab der Vorstandschef neben einer stabilen Kapitalquote ein Kundenwachstum von 500.000 bis Jahresende im Privat- und Unternehmerkundensegment aus. Im Firmenkundenbereich sollen 3.500 Kunden hinzukommen. Zudem soll die Digitalisierung vorangetrieben werden.