Risikomanagement bei Leasinggesellschaften

ERM
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19. Juni 2008
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Redaktion RISIKO MANAGER

Anders als eine Bank bleibt die Leasinggesellschaft immer Eigentümerin des zu finanzierenden Objekts, das normalerweise die einzige Sicherheit bei einem Leasinggeschäft darstellt. Objektrisiken sind also neben der Bonität die zweite wichtige Kategorie, die im Risikomanagement einer Leasinggesellschaft betrachtet wird. Insbesondere bei Teilamortisierungsverträgen besteht die Gefahr eines übermäßigen Wertverfalls.

KÖLN, 19.6.2008. Anders als eine Bank bleibt die Leasinggesellschaft immer Eigentümerin des zu finanzierenden Objekts, das normalerweise die einzige Sicherheit bei einem Leasinggeschäft darstellt. Objektrisiken sind also neben der Bonität die zweite wichtige Kategorie, die im Risikomanagement einer Leasinggesellschaft betrachtet wird. Insbesondere bei Teilamortisierungsverträgen besteht die Gefahr eines übermäßigen Wertverfalls, wenn beispielsweise der Restwert im Verhältnis zum realisierten Marktwert zu hoch angesetzt wird.

Auch Objektrisiken lassen sich heute IT-gestützt überwachen, schwerpunktmäßig durch eine automatisierte Sicherheitenbewertung. Damit erhalten Leasinggesellschaften quasi per Knopfdruck den tagesaktuellen Marktwert, beispielsweise ihres Fahrzeugbestands. Das System nutzt dafür einschlägige Quellen wie die Datenbank der Informationszentrale für die europäische Automobilwirtschaft DAT. Neben Basel-II-Konformität wird durch Sicherheitenmanagement eine aktive Stützung des Geschäfts angestrebt, unter anderem der An- und Verkauf von Forderungen. Deshalb werden Sicherheitenbestände heute nicht mehr nur jährlich, sondern mindestens halbjährlich, wenn nicht sogar monatlich bewertet. Ohne ein automatisiertes IT-System wäre dies nicht wirtschaftlich möglich.

 

Sicherheiten automatisch bewerten

Bevor ein Geschäft zustande kommt, betrachten Leasinggesellschaften Kreditnehmer- und Objektrisiken auch in Kombination. Bei hervorragenden Objekteigenschaften machen sie beispielsweise gelegentlich Zugeständnisse in Sachen Bonität. Allerdings müssen sie höhere Ausfälle einkalkulieren, wenn der Leasingnehmer zu Beginn der Vertragslaufzeit zahlungsunfähig wird. In der Regel verläuft die Wertentwicklung von Mobilien nämlich degressiv. Die kombinierte Beurteilung von Risiken obliegt in der Regel einzelnen Sachbearbeitern, könnte aber künftig auch durch IT-Systeme erfolgen. Dafür müssen Leasinggesellschaften allerdings umfangreiches, auch historisches Datenmaterial über Markt und Kunden sammeln und auswertbar machen.

Das Problem heute: Zahlreiche Informationen verstecken sich in Datensilos oder als handschriftliche Vermerke in Akten. Nur eine zentrale, vollständige Datenhaltung ermöglicht aber Auswertungen durch ein Data Warehouse, eine 360-Grad-Sicht auf den Kunden und damit risikoadjustierte Entscheidungen. Das letzte Wort im Risikomanagement hat aber nicht die IT, sondern immer der erfahrene Experte. Er macht sich quantitative Analysen zunutze, um seine persönliche Einschätzung zu hinterfragen oder strategische Entscheidungen zu treffen.