Risikoanalyse, Controlling, risikogerechte Bewertung und wertorientiertes Management

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05. Februar 2019
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Werner Gleißner

Risikoanalysen und Risikomanagement von Unternehmen erreichen oft nicht den potenziell möglichen ökonomischen Mehrwert [vgl. Gleißner 2017d], weil Risikoinformationen kaum bei „unternehmerischen Entscheidungen“ (im Sinne § 93 AktG) berücksichtigt werden. Der wünschenswerte strategische Fokus und die „entscheidungsorientierte“ Ausrichtung des Risikomanagements [vgl. hierzu Gleißner 2018b und Gleißner 2015b] fehlen. Es ist noch längst nicht selbstverständlich, dass Risikoanalysen bei der Vorbereitung unternehmerischer Entscheidungen (beispielsweise über Investitionen oder Strategieveränderungen) durchgeführt und die Erkenntnisse adäquat im Entscheidungskalkül berücksichtigt werden.

Dafür gibt es im Wesentlichen zwei Ur­sachen:

  1. Risikomanagementsysteme sind organisatorisch noch oft nur auf die Überwachung vorhandener Risiken ausgerichtet und nicht adäquat in die Vorbereitung unternehmerischer Entscheidungen einbezogen [vgl. Gleißner 2015b und Gleißner 2017e].
  2. Die Methoden zur Risikoaggregation und „risikogerechten Bewertung“ sind in vielen Unternehmen noch wenig entwickelt oder gar unbekannt. 

Insbesondere fehlen in vielen Unternehmen Wissen und Methoden darüber, wie die Ergebnisse aus Risikoanalyse und Risikoaggregation bei der Bewertung beispielsweise eines Projekts oder einer strategischen Handlungsoption (Strategiebewertung) berücksichtigt werden sollen. Damit ist ein entscheidungsorientiertes Risikomanagement, wie es auch die neue Norm COSO Enterprise Risk Management (COSO ERM aus dem Jahr 2017) fordert, nicht umsetzbar [vgl. vertiefend hierzu auch Hunziker 2018; Stein/Wiedemann 2016; Romeike 2018 und Vanini/Leschenko 2017]. Auch die für Aktiengesellschaften (und auch GmbHs) bedeutenden Implikationen aus § 93 AktG im Hinblick auf die Vorbereitung „unternehmerischer Entscheidungen“ lassen sich ohne Einbeziehung von Risikoanalyse, Risikoaggregation und Methoden für eine risikogerechte Bewertung nicht umsetzen. Insbesondere ist es erforderlich, die Auswirkungen von Risiken auf (1) Erwartungswerte von Erträgen und Cashflows, (2) Kapitalkosten und (3) Insolvenzrisiko (Rating) zu beurteilen, also das Ertrag-Risiko-Profil von Handlungsoptionen zu vergleichen.

Genau dies ermöglichen die Verfahren einer „risikogerechten Bewertung“ (mit dem modellbasiert berechneten Unternehmenswert als Entscheidungskriterium bzw. Erfolgsmaßstab). Erst mit einer risikogerechten Bewertung über risikoadjustierte Kapitalkosten lässt sich ein „echtes“ wertorientiertes Management [vgl. zu den Grundlagen Günther 1997] umsetzen, das die Erkenntnis des Risikomanagements nutzt [zum ergänzenden Konzept für die Messung von Risikotragfähigkeit und Risikotoleranz vgl. DIIR Nr. 2 (von 11/2018), IDW PS 981 und Gleißner/Wolfrum 2017].

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Autor:
Prof. Dr. Werner Gleißner, Vorstand der FutureValue Group AG, Honorarprofessor an der Technischen Universität Dresden (Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Risikomanagement).

[Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Fachzeitschrift RISIKO MANAGER 01/2019. Die Ausgabe ist seit dem 30. Januar 2019 lieferbar und kann auch einzeln bezogen werden.]

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