Regulierung setzt widersprüchliche Anreize

ERM
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15. Mai 2017
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Von Hans Bentzien

Die Bankenregulierung im Euroraum setzt nach Aussage von Sylvie Matherat, Regulierungsvorstand der Deutschen Bank, widersprüchliche Anreize für Banken. "Die Bankenaufsicht ist verantwortlich dafür, dass wir ordentlich leben und sie ist dafür verantwortlich, dass wir ordentlich sterben, und das passt nicht gut zusammen", sagte Matherat bei einer Konferenz in Frankfurt.

Damit die Banken ordentlich sterben, müsse die Aufsicht verhindern, dass es eine freie Bewegung von Kapital und Liquidität gebe, denn wenn eine Bank abgewickelt werden müsse, dann solle das Kapital nicht abfließen können. Um aber ordentlich leben zu können, müsse die Bank Kapital und Liquidität dorthin schicken können, wo sie benötigt würden. "Das ist etwas, was wirklich schwer zu managen ist", sagte Matherat.

Im Zuge der Finanzkrise hatten sich die europäischen Banken in ihre Heimatmärkte zurückgezogen. Diese Fragmentierung wurde dadurch verstärkt, dass die nationalen Aufsichtsbehörden den Instituten vorschrieben, für ihre Operationen in den jeweiligen nationalen Märkten gesondert Eigenkapital vorzuhalten. Zudem unterbanden bzw. erschwerten sie Kapital- und Liquiditätsübertragungen auch innerhalb international tätiger Bankengruppen. Der Chef der Bankenaufsichtsbehörde EBA, Adam Farkas, sagte bei der gleichen Konferenz: "Die finanzielle Integration hat sich in den vergangenen Jahren verbessert, wenn auch nur moderat und mit großen regionalen Unterschieden."

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