Fed kämpft um Kontrolle über den Referenzzins

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28. Juni 2018
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Von Katy Burne

Die Federal Reserve hat gerade den Prozess der Festsetzung der kurzfristigen Zinsen angepasst, damit diese nicht zu stark steigen. Dennoch ist unklar, ob sie wirklich in der Lage ist, die Kreditkosten in Schach zu halten. Die sogenannte Federal Funds Rate, für die die Fed einen Korridor von 1,75 bis 2 Prozent veranschlagt, nähert sich immer weiter ihrem oberen Wert, obwohl die amerikanische Zentralbank bei ihrer letzten Sitzung angestrebt hat, dass der Satz näher an der Mitte des Korridors verharrt. Derzeit liegt der Referenzzins bei 1,92 Prozent, die Fed sähe ihn jedoch lieber nahe 1,875 Prozent.

Die Fed Funds Rate ist ein Referenzzins für verschiedenste Teile des Finanzsystems und beeinflusst dadurch alles von Hypotheken- bis Autokrediten und die amerikanische Staatsfinanzierung. Der Zinsanstieg könnte infrage stellen, ob die Fed in der Lage ist, die kurzfristigen Zinsen und demzufolge die Kreditkosten für US-Unternehmen und -Haushalte unter Kontrolle zu halten.

Der jüngste Anstieg der Fed Funds Rate sei "unerwartet" gewesen, "die genaue Dynamik unklar", sagt Louis Crandall, Ökonom bei der Analysefirma Wrightson ICAP. Womöglich müsse die Fed zum Jahresende erneut an ihren Zinsmechanismen feilen, um "ungewollte technische Komplikationen" zu vermeiden. In der Vergangenheit hat die Fed gesagt, dass es keine Rolle für sie spiele, ob die Fed Funds Rate sich dem einen oder anderen Ende des Korridors nähert, solange sie nicht ausbricht. Die jüngsten Schritte der Zentralbank zeigen, dass die Geldpolitiker immer noch an ihrer Zinsstrategie feilen. Nach der Finanzkrise hatten sie ihre geldpolitischen Werkzeuge grundlegend verändert.

Die Zentralbank hat die Fed Funds Rate am 13. Juni um einen Viertelprozentpunkt angehoben, die "Zinsen auf überschüssige Reserven" hingegen nur um 0,2 Prozentpunkte auf 1,95 Prozent. Dieser Satz entspricht dem Zins, den sie auf Einlagen von Geschäftsbanken bei der Zentralbank zahlt. Es war das erste Mal seit dem Beginn des Zinszyklus Ende 2015, dass sie die beiden Sätze nicht in gleichem Maße angehoben hat. Diese Entscheidung sollte dazu beitragen, dass die effektive Fed Funds Rate nicht zu nah an die Obergrenze des Zinskorridors steigt.

Der jüngste Anstieg der Fed Funds Rate hat laut Händlern mehrere Gründe. Eine Flut an Treasury-Emissionen zu Beginn des Jahres hat die Zinsen auf Repo-Kredite zwischen Banken nach oben getrieben. Akteure am Fed-Funds-Markt, also Banken, die vom Kongress geschaffen wurden, um die amerikanische Immobilienfinanzierung zu unterstützen, gingen Repo-Krediten in der Vergangenheit meist aus dem Weg. Heute sehen sie diese als attraktives Investment und können höhere Zinsen aushandeln, wenn sie am Fed-Funds-Markt Geld verleihen. Bankreserven schrumpfen indes, seit die Fed ihr massives Anleihekaufprogramm abwickelt und ihr Wertpapierportfolio reduziert. Durch das Programm waren Banken mit nie dagewesener Liquidität geflutet worden. Die relative Knappheit der Reserven könnte Banken zwingen, Kredite teurer zu bezahlen, und dadurch Aufwärtsdruck auf die Fed Funds Rate ausüben, sagt Crandall. 

Das tägliche Handelsvolumen am Fed-Funds-Markt fiel vergangene Woche auf rund 60 Mrd. US-Dollar. Normalerweise fließen täglich rund 90 Mrd. Dollar durch den Markt, 2007 waren es sogar rund 200 Mrd. Dollar. Der Fed-Funds-Markt sei inzwischen nur noch ein "Splitter von einem Markt" mit "marginalen Akteuren und keine adäquate Abbildung der Wirtschaftsdynamik", sagt Joseph Abate, Geldmarktanalyst bei Barclays. Das Protokoll der Fed-Sitzung im November 2016 zeigt, dass die Zentralbank in Betracht zog, die Fed Funds Rate unter bestimmten Bedingungen zu ersetzen, etwa in einem Umfeld, in dem kurzfristige Zinsen mit höherer Wahrscheinlichkeit schwanken würden. (DJN) 

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