Neuer Baseler Kreditrisiko-Standardansatz (KSA)

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29. Januar 2018
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Von Hermann Schulte-Mattler, Jürgen Affeld

Am 7. Dezember 2017 hat der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht seine finale Überarbeitung des Kreditrisiko-Standardansatzes (KSA) vorgelegt. Die Aufsicht beurteilt mit den Vorschriften, ob die Eigenmittel der Institute im Hinblick auf die eingegangenen Kreditrisiken angemessen sind. Der vorliegende Beitrag gibt einen Überblick über die neuen Empfehlungen zur Eigenmittelunterlegung von offenen Positionen in diesem Risikobereich und stellt die Unterschiede zur derzeitigen Verfahrensweise in der EU-Verordnung Nr. 575/2013 dar. Weitere Bestandteile des neuen Baseler Standards sind ein Zuschlag für Währungsinkongruenzen, außerbilanzielle Positionen sowie Regelungen zur Kreditrisikominderung.

Nachdem der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht das Zweite Konsultationspapier am 10. Dezember 2015 veröffentlichte [Basel Committee on Banking Supervision, 2015], wurde nach zweijähriger Verhandlungs- und Überarbeitungszeit am 7. Dezember 2017 der neue Standard zum Kreditrisiko-Standardansatz (KSA) zusammen mit anderen neuen Regelungen der Öffentlichkeit präsentiert [Basel Committee on Banking Supervision, 2017a, S. 3-52]. Kreditbezogene Risikopositionen sind bankaufsichtlich zu berücksichtigen und mit Eigenmitteln zu unterlegen. Der neue Baseler KSA-Standard soll von den international tätigen Banken bis zum 1. Januar 2022 implementiert werden [Basel Committee on Banking Supervision, 2017b, S. 12]. Es ist davon auszugehen, dass durch den neuen Standard die diesbezüglichen Regelungen der EU-Verordnung Nr. 575/2013 (CRR) [EU-Kommission, 2013b], die auf Grundlage der CRD-IV-Richtlinie [EU-Kommission, 2013a] erlassen worden ist, geändert werden. Bislang hat die EU-Kommission keine diesbezüglichen Änderungsvorschläge veröffentlicht.

Die Institute können zur Bestimmung der risikogewichteten Positionsbeträge für das Kreditrisiko in allen Geschäftsfeldern zwischen dem KSA und IRBA wählen. Zum einen können die Institute einen Kreditrisiko-Standardansatz (KSA) anwenden, dessen Gewichte an externe Kreditbeurteilungen von Ratingagenturen anknüpfen. Damit Banken zukünftig nicht „blind“ auf die Einschätzung von Ratingagenturen vertrauen, müssen sie sich bei bestimmten Forderungsklassen im Rahmen eines Due-Diligence-Prozesses selbst eine Meinung von dem potenziellen Kreditrisiko bilden. Zum anderen können Institute zur Ermittlung der Risikogewichte einen risikosensitiveren Ansatz wählen, der auf institutseigenen Ratingverfahren (Internal Ratings-based Approach, IRBA) zur Bestimmung der Ausfallwahrscheinlichkeit und anderen Parametern (Loss Given Default, Konversionsfaktor und Laufzeit) einer Position sowie einer vorgegebenen „IRBA-Umrechnungsfunktion“ basiert. Auch zum IRBA-Ansatz werden vom Baseler Ausschuss neue Regelungen vorgegeben [Basel Committee on Banking Supervision, 2017a, S. 53-108]. Der vorliegende Beitrag stellt die neuen Baseler Regelungen zur Revision des KSAs zur Bestimmung der Mindesteigenmittelanforderung von Kreditrisikopositionen dar und aktualisiert die Ausführungen in Schulte-Mattler & Affeld (2016). 

Mindesteigenmittelanforderung

Nach der Gesamteigenmittelunterlegungsnorm für Kreditrisiken darf das Verhältnis zwischen den Eigenmitteln eines Instituts und seinem mit dem Risikogewicht des Schuldners oder der Geschäftsart multiplizierten Positionswert täglich acht Prozent nicht unterschreiten. Die Summe der risikogewichteten Positionswerte darf also das 12,5Fache (Kehrwert von acht Prozent) der Eigenmittel nicht übersteigen. Mit dem Risikofaktor (Risk Weight, RW), auch Bonitätsgewichtungsfaktor genannt, wird die jeweilige Bemessungsgrundlage eines Geschäfts, das heißt die Höhe der risikobehafteten Position, entsprechend ihrer Bonität in risikogewichtete Aktiva konvertiert. Außerbilanzielle Geschäfte werden zuvor mittels eines geschäftsspezifischen Konversionsfaktors oder mit separaten Methoden in äquivalente bilanzwirksame Kreditpositionen umgerechnet (Kreditäquivalenzbeträge oder Risikopositionswerte). 

Der Risikopositionswert dient als Grundlage für die Ermittlung der Eigenmittelunterlegung für das Kreditrisiko einer Aktivposition. Zur Bestimmung des gewichteten Risikopositionswerts wird der Positionswert mit dem Risikogewicht des Schuldners oder des Geschäfts multipliziert, wobei im KSA in den meisten Risikopositionsklassen das Gewicht für die Position auf der Grundlage einer Bonitätsbeurteilung einer von der Aufsicht anerkannten Ratingagentur abgeleitet wird. Diese muss von der Aufsicht anerkannt worden sein, bevor ein Institut die Bonitätsbeurteilungen dieser Agentur für die Bestimmung der Risikogewichte von Adressrisikopositionen verwenden darf. Die Anerkennung kann nur erfolgen, wenn die ECAI (External Credit Assessment Institution) mit ihrer Methodik der Bonitätsbeurteilung und den daraus resultierenden Ratings bestimmte bankaufsichtliche Anforderungen erfüllt. Der Baseler Ausschuss verwendet die Bonitätsbeurteilungskategorien, die von Standard & Poor´s verwendet werden. In Europa ordnet die European Banking Authority (EBA) den Kategorien verschiedener Ratingagenturen einer der aufsichtlichen Bonitätsstufen 1 bis 6 zu.

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[Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Fachzeitschrift RISIKO MANAGER 02/2018. Die Ausgabe ist seit dem 31. Januar 2018 lieferbar und kann auch einzeln bezogen werden.]

Autor:

Prof. Dr. Hermann Schulte-Mattler, Professor für Betriebswirtschaftslehre insbesondere Finanzwirtschaft und Controlling an der Fachhochschule Dortmund.

Jürgen Affeld, Diplom-Betriebswirt (FH), Frankfurt am Main.

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