„Made in Russia" kämpft mit Hindernissen

ERM
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09. Oktober 2019
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Redaktion RISIKO MANAGER

Die russische Wirtschaft durchläuft einen Transformationsprozess. Die Diversifizierung der Ökonomie beschleunigt sich, was nicht zuletzt auch auf die Sanktionen des Westens gegen Moskau infolge der Krim-Annexion zurückzuführen ist. Russland will die Abhängigkeit von Einfuhren und schwankenden Rohenergiepreisen verringern. Doch wurde das Ziel erreicht?

„Die Bereitschaft, Importe durch lokale Produktion zu ersetzen, hängt jedoch von vielen Faktoren ab, die nicht alle vorhanden sind.“ Zu diesem Schluss kommt der internationale Kreditversicherer Coface in einem neuen „Focus“ zu Russland. Spezielle Investitionsverträge zur Förderung ausländischer Investitionen, selektive Steuersenkungen für „Made in Russia“-Produkte, privilegierter Zugang zu öffentlichen Aufträgen: Es gibt den Angaben zufolge viele Initiativen, die Unternehmen helfen sollen, den Umstieg zu bewältigen. Um Modernisierung, Technologie und Innovation zu fördern, seien Anreizsysteme eingeführt worden: Sonderwirtschaftszonen, öffentliche Mittel und Ausfuhrunterstützung. Vor allem die Sektoren Agrar- und Ernährungswirtschaft, Pharmazie, Automobil und Informationstechnologie verfügten bereits über eigene Fördermechanismen.

Die wichtigsten Ergebnisse seien im Agrar- und Ernährungssektor erzielt worden, hieß es. Hier habe Russland die Einfuhr aus Ländern erschwert, die ihrerseits Sanktionen gegen Russland verhängt hätten. Höhere Preise für Importwaren lenkten demzufolge die russischen Verbraucher zu lokal produzierten Produkten. Das habe zu einem deutlichen Anstieg der Nahrungsmittelproduktion geführt. So sei Russland in der Lage gewesen, die Versorgung mit Fleisch rechnerisch ganz aus eigener Produktion zu erreichen. Allerdings führe die teilweise geringere Qualität bestimmter Produkte dazu, dass die Verbraucher trotz höherer Preise zu Importen greifen.

Bescheidener Ertrag

Wie es weiter hieß, ist es dem öffentlichen Sektor im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) nun untersagt, Computer-, Telekommunikations- und Haushaltsgeräte zu importieren, wenn es lokale Hersteller gibt, die vergleichbare Waren anbieten. Gleichzeitig versuchten die Behörden, die Produktion elektronischer Komponenten auszuweiten, um dem westlichen Embargo für den Verkauf von Technik für den Energie-, Nachrichten- und Verteidigungssektor zu begegnen. Doch der Ertrag bleib eher bescheiden.

Die Absicht, die Importabhängigkeit zu verringern, zeigt sich auch im Pharmasektor, hieß es. Dort gebe es steuerliche Anreize für die lokale Produktion und Vorteile für heimische Produkte auf öffentlichen Märkten. Ausländische Unternehmer, die einen Investitionsvertrag mit russischen Behörden abschließen, könnten ebenfalls von einer Exklusivität mit dem Staat profitieren. Aber auch hier seien die gesetzten Ziele längst nicht erreicht. Im Automobilsektor schließlich böte Russland ausländischen Herstellern steuerliche Anreize, einen privilegierten Zugang zu öffentlichen Aufträgen und Schutz vor zukünftigen Steuerentwicklungen. Als Gegenleistung verpflichteten sich die Hersteller zur lokalen Produktion und Innovationsförderung.

„Vorbehaltlich der Verfügbarkeit von Ressourcen, der Modernisierung von Produktionslinien und der Verbesserung des Geschäftsumfelds bleibt die Strategie Made in Russia kompliziert und ein langfristiges Engagement“, erklärte Coface-Economist Dominique Fruchter. „Sanktionen und Gegenmaßnahmen, sowohl aktuelle als auch potenzielle, das Unternehmensumfeld, zunehmende politische Risiken und der Mangel an verfügbaren Arbeitskräften belasten auch die in- und ausländischen Investitionen“, so der Experte. (ud)

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