Kreditrisiken steigen gefährlich stark

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18. April 2017
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Von Paul J. Davies

Das rasante Wachstum von Verbraucherkrediten macht Politikern auf beiden Seiten des Atlantiks Angst: Wenn die Zinsen und Rückzahlungskosten steigen, dürfte es zu immer mehr Zahlungsausfällen kommen. In den USA rechnet schon ein Viertel aller Banken damit, dass dieses Jahr mehr Verbraucher Probleme haben werden, ihre Raten pünktlich zu zahlen, zeigt eine Umfrage der Federal Reserve. Die größere Frage ist, ob Zahlungsausfälle oder ein langsameres Kreditwachstum den Volkswirtschaften schaden werden, die sich bisher auf Verbraucherausgaben verlassen haben. Noch geben sich Zentralbanken in dieser Frage gelassen.

Die Europäische Zentralbank vertritt die Meinung, dass die konsumgetriebene Erholung der Eurozone nicht auf einer Steigerung der Haushaltsverschuldung basiere. Die Bank of England erklärte darüber hinaus, dass Probleme mit Verbraucherkrediten die Kauflust der Konsumenten insgesamt nicht eintrüben werde. Das klingt zuerst wenig einleuchtend. Natürlich steigen mit der Kreditvergabe auch die Haushaltsausgaben. Doch die statistische Verbindung zwischen dem Kredit- und dem Konsumwachstum scheint nur bedingt zu existieren. Die Einkommen haben eine deutlich größere Bedeutung. Rechnet man außerdem Hypothekenkredite heraus, hat das Wachstum der Verbraucherkredite scheinbar noch weniger mit den Konsumausgaben zu tun.

Verbraucherkredite kleiner Teil der Haushaltsausgaben
Das könnte damit zusammenhängen, dass Verbraucher eher bereit sind, bei einem unbesicherten Verbraucherkredit oder einem Autokredit in Verzug zu geraten als bei einem Hauskredit, bei dem das Eigenheim auf dem Spiel steht. Diese Logik galt jedoch nicht in der US-Subprime-Krise. Eine weitere mögliche Erklärung ist, dass neue Verbraucherkredite nur einen kleinen Teil der Haushaltsausgaben finanzieren. Im letzten Quartal 2016 machten neue Verbraucherkredite weniger als zwei Prozent der Haushaltsausgaben in den USA und in Großbritannien und weniger als ein halbes Prozent der Ausgaben in der Eurozone aus. Die Bank of England schließt daraus, dass Entwicklungen des Verbraucherkreditmarkts den Konsum nur geringfügig beeinflussen. Doch auch diese Theorie hält nicht jedem Test stand.  Seit der Finanzkrise steigt der kreditfinanzierte Anteil an den Konsumausgaben - in den USA und in Großbritannien stärker als im Eurogebiet. Das deutet an, dass die Kreditvergabe für das Konsumverhalten wichtiger geworden ist. In den USA ist der Anteil an den Konsumausgaben, der mit neuen Krediten finanziert wird (Häuserkredite ausgeschlossen) höher als vor der Krise.

Ausfälle von Verbraucherkrediten können Banken belasten
Verbraucherkredite sind außerdem besonders wichtig für Personen mit geringerem Einkommen und für jüngere Verbraucher, die kein Haus oder andere Werte besitzen, die durch Jahre der ultralockeren Geldpolitik an Wert gewonnen haben. Wenn Bankkunden bei ihren Verbraucherkrediten in Verzug geraten, können die Verluste für die Banken schlimmer sein als bei Häuserkrediten. Bei den Stresstests des vergangenen Jahres erlitten britische Banken durch Verbraucherkredite über 1,5 Mal so hohe Verluste wie durch Häuserkredite. Das könnte das breitere Kreditangebot beeinträchtigen; Stresstests sind jedoch angelegt, um dieses Szenario zu vermeiden. Verbraucherkredite scheinen nur ein kleiner Aspekt des amerikanischen und europäischen Aufschwungs zu sein. Doch wenn das Wachstum verschwindet, wird sich das merklich auf einige Bereiche der Gesellschaft und auf die Bankgewinne auswirken - und indirekt auch auf alle anderen. (DJN)

Artikelbild: ©KCHL / iStockphoto