IWF besorgt über Chinas Finanzstabilität

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07. Dezember 2017
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Von Hans Bentzien und Joanne Chiu

Während bekannt wurde, dass sich der chinesische Versicherer Ping An mit 5,01 Prozent an HSBC beteiligt und damit künftig zu den Großaktionären des britischen Bankkonzerns zählt, zeigte sich der Internationale Währungsfonds (IWF) besorgt darüber, dass das starke Wachstum des chinesischen Finanzsektors zu einer Bedrohung der Finanzstabilität werden könnte. In seinem aktuellen Financial System Stability Assessment weist der IWF darauf hin, dass eine wachstumsfördernde Geld- und Finanzpolitik zusammen mit der gestiegenen Nachfrage nach hochrentierlichen Finanzprodukten und der schärferen Überwachung des Bankensektors die Entstehung zunehmend komplexer und schlecht überwachter Investmentvehikel begünstigt hat.

"Diese Institute, darunter Vermögensverwalter und Versicherer, die Investmentprodukte anbieten, sind noch schneller als der Bankensektor gewachsen", so der IWF. Die Vergabe riskanterer Kredite habe sich von den Banken in die weniger gut überwachten Teile des Finanzsystems verlagert. Ein weiteres Problem sieht der IWF in der großen Menge eigentlich nicht lebensfähiger Unternehmen, die vor allem auf regionaler Ebene aus Gründen der Finanzstabilität lieber gerettet als geschlossen werden. "Deshalb haben die zur Erzeugung zusätzlichen Wirtschaftswachstums notwendigen Kredite eine substanzielle Kreditexpansion ausgelöst, die zu einem raschen Anstieg der Verschuldung von Unternehmen und Haushalten geführt hat – wenn auch von einer niedrigen Basis", analysiert der IWF.

Als weiteres Risiko führt die in Washington ansässige Organisation die weit verbreiteten impliziten Garantien auf. All das hat laut IWF zu Moral Hazard und übertriebener Risikoneigung geführt. Die ungelösten Konflikte zwischen einer Politik, die die wirtschaftliche und finanzielle Transformation Chinas befördern will und Bemühungen, die Nebenwirkungen dieser Politik über höheres Wachstum abzufedern, erhöhten die Risiken für die Finanzstabilität. Der IWF empfiehlt den Chinesen vor diesem Hintergrund, die von regionaler und zentraler Ebene ausgehenden Anreize so zu gestalten, dass der Finanzstabilität der notwendige Vorrang eingeräumt wird. Dazu müssten Finanzkonglomerate besser überwacht und Reformen in der richtigen Reihenfolge umgesetzt werden. Empfohlen werden außerdem eine zuverlässige Kreditklassifizierung und eine einheitliche Behandlung ähnlicher Finanzmarktprodukte. Auch sollen die chinesischen Behörden den stark wachsenden FinTech-Sektor so behandeln, dass eine richtige Balance von Innovation und Sicherheit gegeben ist.

Die Beteiligung des chinesischen Versicherungsunternehmens Ping An an der HSBC wurde als reine Finanzinvestition bezeichnet, da die Geschäftsentwicklung der Bank stark sei und sie gute Dividenden zahle, heißt es in einer Mitteilung von Ping An. Die in Hongkong und Shanghai börsennotierte Ping An Insurance Co erwarb insgesamt 1,02 Milliarden HSBC-Aktien über das sogenannte Stock-Connect-Programm, das Unternehmen vom chinesischen Festlang den Kauf von in Hongkong notierten Aktien ermöglicht. Der Versicherer weitet derzeit seine Finanzinvestitionen aus um die Renditen zu steigern. Erst in der vergangenen Woche hatte Ping An das Wachstum seiner Beteiligung an der ICBC von 7,9 auf 8 Prozent für umgerechnet 52,4 Mio. € bekanntgegeben. HSBC ihrerseits war einst an Ping An beteiligt gewesen und hatte den Anteil 2012 verkauft. (DJN)

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