Im freien Fall und doch attraktiv? Short Volatility-ETFs

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09. April 2018
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Von Claus Huber

In den zwölf Tagen zwischen dem 26. Januar und dem 6. Februar 2018 verlor der S&P500 zeitweise fast zehn Prozent. Im gleichen Zeitraum büßte eine Art von Exchange Traded Fund (ETF), so genannte „Short Volatility ETFs“ oder „Inverse Volatilitäts ETFs“ mehr als 80 Prozent ihres Werts ein ( Abb. 01). Dabei ging es im Wesentlichen um die beiden Produkte „ProShares Short VIX Short-Term Futures (SVXY)“ und „VelocityShares Daily Inverse VIX Short-Term ETN (XIV)“. Allein an den beiden Geschäftstagen vom 2. februar bis 6. Februar korrigierte SVXY um minus 88 Prozent. Wie kann ein ETF, der ebenfalls für Kleinanleger zugänglich ist, innerhalb so kurzer Zeit nahezu einen Totalverlust erleiden?

Short-Volatility-Produkte setzen darauf, dass das zugrunde liegende Volatilitätsmaß, wie beispielsweise der VIX, sinkt beziehungsweise konstant bleibt. Der VIX ist ein Index, der aus Optionen auf den S&P500 Index mit einer Laufzeit von 30 Tagen berechnet wird. Er ist nicht direkt handelbar, aber es existieren Futures-Kontrakte mit dem Basiswert VIX. Diese Futures-Kontrakte werden mit Laufzeiten bis zu neun Monaten in der Zukunft angeboten. Sehr wichtig dabei ist, dass SVXY und XIV auf die täglichen prozentualen Veränderungen der VIX-Futures abstellen: Der maximale Gewinn von SVXY durch eine tägliche Kursbewegung geschieht in dem Fall, wenn der VIX um 100 Prozent fällt, also auf einen Wert von 0 abstürzt. Dann würde sich der Wert des ETF inerhalb eines Tages verdoppeln. Ein „Killer“ ist dagegen ein schneller, heftiger Ausschlag nach oben. Sollte beispielsweise der VIX-Futures in nur einem Tag von 10 auf 20 explodieren, eine Kursveränderung von +100 Prozent, bedeutet dies einen Verlust von 100 Prozent der inversen ETFs. Falls der VIX-Futures andererseits an zehn aufeinander folgenden Tagen um jeweils 1 auf 20 zulegt, folgt ein Verlust von „nur“ 52.6 Prozent. Dort wird eine Investition von 100 US-Dollar angenommen, von deren Wert (NAV) zehn Tage später nach einem Anstieg des VIX von 10 auf 20 nur noch 47.4 US-Dollar übrig sind.

Der maximale Verlust der Short Volatility-ETFs ist theoretisch unendlich. Bei geringen Kursständen des VIX um 10 ist die Wahrscheinlichkeit einer Bewegung von +100 Prozent auf 20 oder gar +200 Prozent auf 30 deutlich höher als in den oberen Regionen über 25, wie beispielsweise von 30 auf 60. Im Januar 2018 lag der VIX bei Werten zwischen 9.2 und 14.8. In einer ähnlichen Spanne hielt er sich auch das gesamte Jahr 2017 auf. 

Bei einem VIX um 10 kann man daher von einem ungünstigen asymmetrischen Risikoprofil der Short Volatility-ETFs sprechen, bei Niveaus des VIX über 35 von einem günstigen asymmetrischen Risikoprofil. Letzteres bedeutet allerdings nicht, dass Verluste ausgeschlossen werden können, wenn man inverse Volatilitätsprodukte bei einem VIX über 35 kauft. Es gab in der Vergangenheit auch Zeiten, als der VIX schon höher als 50 stand und trotzdem noch um 20 Prozent und mehr zulegte (bsp. Oktober 2008).

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[Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Fachzeitschrift RISIKO MANAGER 04/2018. Die Ausgabe ist seit dem 28. März 2018 lieferbar und kann auch einzeln bezogen werden.]

Autor:
Dr. Claus Huber, CEFA, CFA, FRM, Rodex Risk Advisers GmbH, Altendorf, Schweiz.

Artikelbild: ©Solovyova – iStockphoto.com