Historische Simulation in der Zinsrisikosteuerung: zukunftsorientierte Beurteilung der Prognosegüte

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11. Juni 2018
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Von Noel Boka, Annika Rüder

Bei der Messung barwertiger Zinsänderungsrisiken gehört die historische Simulation zu den in der Praxis am weitesten verbreiteten Messmethoden. Ist die Vergangenheit im Sinne des inversen Verhältnisses aus Zins und Barwert vornehmlich von Barwertgewinnen gekennzeichnet, geriet die Frage nach einer auch zukunftsorientierten angemessenen Prognosegüte teils in den Hintergrund. In der zeitlich unbestimmten Erwartung steigender Zinsen ist die Verlässlichkeit der historischen Simulation neu zu beurteilen. Der vorliegende Beitrag untersucht die historische Simulation in einer Phase steigender Zinsen und zeigt anhand verschiedener Variationen die Dimensionen der Prognosegüte auf. Neben methodischen Fragestellungen werden auch verschiedene Inputszenarien berücksichtigt, die wertvolle Hinweise für die institutsindividuelle Beurteilung der Prognosegüte geben.

Insbesondere die methodisch einfache Umsetzung und die intuitive Nachvollziehbarkeit haben der historischen Simulation zu einer weiten Verbreitung in der barwertigen Zinsrisikosteuerung verholfen [Ebeling/Mitschele 2010, S. 237; Steinwachs 2012, S. 118]. Die unterstellte Repräsentativität der ex post beobachteten Zinsentwicklung für die Zukunft ist als wesentliche Annahme der historischen Simulation herauszustellen [Schierenbeck et al. 2008, S. 96 f.]. Einhergehend sind die historisch stetig gefallenen und mittlerweile unter dem Synonym „Niedrigzinsphase“ zusammengefassten, teils negativen, Zinsen in die Überlegungen miteinzubeziehen. So kennt die Datenhistorie überwiegend Zinssenkungen – und in Folge des inversen Verhältnisses von Zins und Barwert – Barwertgewinne [Boka, 2018, S. 98].

Kennt die Historie größtenteils Barwertgewinne erscheint die Prognosegüte bisher von untergeordneter Bedeutung. In Erwartung steigender Zinsen obliegt es der modernen Banksteuerung, auch zukunftsgerichtete Prognosen darzulegen [i.S.d. AT 4.1 Tz. 11 sowie Tz. 11 Erl. MaRisk]. Die zukunftsgerichtete Beurteilung der Pro-

gnosegüte bzw. die Beurteilung des zukünftig verfügbaren freien Risikokapitals bekräftigen die Untersuchung, inwiefern steigende Zinsen in der Zukunft eine verminderte Prognosegüte bedingen. Hierbei sollen auch bankindividuelle Aspekte der Methodenfreiheit und Inputfaktoren berücksichtigt werden.

Grundlegende Aspekte der historischen Simulation

Sei die allgemeinhin breite Anerkenntnis der historischen Simulation in der barwertigen Zinsrisikosteuerung bereits in der Einleitung ausreichend dargelegt, sollen folgend einige methodische Aspekte der historischen Simulation vorgestellt werden. In dieser werden die historischen Zinsänderungen auf das zum Bewertungszeitpunkt vorherrschende Zinsniveau übertragen und eine Neubewertung des Portfolios vorgenommen [Huschens 2000, S.6 f.]. Die Übertragung historischer Änderungen auf die Zukunft setzt einerseits die Stationarität, also stochastische Trendfreiheit, der Zinsänderungen voraus. Andererseits bedeutet die Betrachtung der ausschließlich empirischen Risikofaktoränderungen die vollständige Freiheit von Verteilungs- und Korrelationsannahmen [Drosdzol 2004, S. 107].

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[Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Fachzeitschrift RISIKO MANAGER 06/2018. Die Ausgabe ist seit dem 30. Mai 2018 lieferbar und kann auch einzeln bezogen werden.]

Autoren:
Noel Boka, Abteilungsleiter Controlling, VR Bank Niederbayern-Oberpfalz eG.
Annika Rüder, Spezialistin Risikocontrolling (Markt- und Liquiditätsrisiken), comdirect bank AG.

Artikelbild: ©momcilog – iStockphoto.com