Handelskrieg: Bei einem Szenario droht eine weltweite Rezession

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21. August 2019
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Lars Skovgaard Andersen

US-Präsident Donald Trump hat die meisten Analysten und Anleger – und angeblich auch die chinesischen Regierungsbeamten – auf dem falschen Fuß erwischt, als er den Handelskrieg per Tweet eskalieren ließ. Auf Twitter verkündete er neue erhöhte Zölle auf chinesische Waren ab dem 1. September – und die Chinesen reagierten prompt mit einem Einkaufsstopp für US-Agrarprodukte. Die Eskalation kam überraschend: Wir gingen davon aus, dass die Amerikaner und Chinesen im Laufe der zweiten Jahreshälfte 2019 ein Handelsabkommen treffen werden. Das hat sich mit den jüngsten Entwicklungen jedoch definitiv geändert.

Nun sind drei Zukunftsszenarien möglich, wobei zwei davon besagen, dass es vor der US-Präsidentschaftswahl im November 2020 kein Handelsabkommen gibt.

Die Wahrscheinlichkeit für diese zwei Szenarien liegt zusammengefasst bei 60 Prozent. Deshalb ist unser Hauptszenario, dass die USA und China erst nach der Präsidentschaftswahl im nächsten Jahr ein Handelsabkommen erzielen werden.

Das gute Szenario: Noch vor der US-Präsidentschaftswahl wird eine Einigung erzielt –
Wahrscheinlichkeit: 40 Prozent

Der chinesische Boykott von Agrarprodukten aus den USA wirkt auf die US-Landwirte wie der sprichwörtliche Schlag in die Magengrube. Deshalb könnten die Stimmen der ländlich geprägten Wähler bei der Präsidentschaftswahl den entscheidenden Ausschlag in wichtigen Swing States wie Ohio und Wisconsin geben. Wenn sich die Umfragewerte für Trump zu stark verschlechtern, kann ihn das irgendwann dazu veranlassen, seine Forderungen gegenüber den Chinesen zu lockern und doch noch ein Abkommen einzugehen, das unter anderem bedeutende chinesische Käufe von US-Agrarprodukten gewährleistet. Niedrigere Zölle auf US-Autos könnten ein anderer Bestandteil des Abkommens sein, um dem wichtigen Wechselstaat Michigan, dem Zentrum der Automobilindustrie in den USA, entgegenzukommen.

Das Weiße Haus hat trotz der jüngsten Eskalation die Tür für ein Handelsabkommen noch nicht vollständig zugeschlagen. Trumps Wirtschaftsberater Larry Kudlow besänftigte die Chinesen zuletzt und blickte optimistisch auf die anstehenden Verhandlungen mit chinesischen Wirtschaftsvertretern im September in Washington. Zudem erklärte er, dass der US-Präsident mit den Zöllen flexibel sei. Das zeigt uns, dass die Amerikaner letzten Endes weiterhin ein Handelsabkommen gegenüber einer Situation ohne Abkommen bevorzugen.

Das schlechte Szenario: Der Handelskrieg zieht sich in die Länge, eskaliert aber nicht –
Wahrscheinlichkeit: 35 Prozent

Unsicherheit ist immer Gift für die Finanzmärkte, und gegenwärtig sind die beiden Parteien sehr weit voneinander entfernt. Ein denkbares Szenario ist: Die aktuelle Situation zieht sich in die Länge, eskaliert aber trotz der harten Rhetorik nicht.

Es kann Trump bei der nächsten Wahl teuer zu stehen kommen, wenn er das politische Fundament, das die starke Wirtschaft ihm verliehen hat, untergräbt. Die Chinesen haben bislang demonstriert, dass sie im Handelskrieg nicht diejenigen sind, die neue Sanktionen einleiten. Wenn sie aber getroffen werden, zögern sie nicht mit einem Gegenschlag. Deshalb gehen wir nicht davon aus, dass die Chinesen den Handelskrieg zwingend weiter eskalieren möchten. Allerdings kann es durchaus sein, dass sie in Wirklichkeit nicht sonderlich an einem Handelsabkommen mit Trump interessiert sind, da sie mit einem demokratischen Präsidenten nach der US- Präsidentschaftswahl eine bessere Einigung erzielen können. Deshalb dürfte es ihnen durchaus recht sein, wenn die aktuelle Situation Trump in seiner Heimat sowohl wirtschaftlich als auch politisch zermürbt.

Was den US-Präsidenten anbelangt, kann ihn eine nachhaltige Schwäche der US-Wirtschaft und der US-Aktienmärkte als Folge des Handelskrieges von neuen Sanktionen gegen die Chinesen abhalten. In den vergangenen Jahren hat er immer wieder die starke amerikanische Wirtschaft als Nachweis seines großen Erfolges als Präsident hervorgehoben. Gegenteilige ökonomische Rahmendaten bei einer sich konsolidierenden oder sogar rückläufigen Konjunkturentwicklung könnten ihm somit das wesentliche politische Fundament entziehen.

Das grausame Szenario: Trump setzt im Handelskrieg alles auf eine Karte –
Wahrscheinlichkeit: 25 Prozent

Es ist sicherlich nicht ausgeschlossen, dass Trump eine weitere Eskalation des Handelskriegs beschließt. Vielleicht ist er der Meinung, dass er bei seinen Wählern auf den größten Rückhalt stößt, wenn er so hart wie möglich gegen China vorgeht – oder dass er, wenn er mit neuen Sanktionen alles auf eine Karte setzt, Peking dazu zwingen kann, seinen Wünschen und Forderungen nachzugeben. Allerdings lassen sich die Chinesen nicht so einfach zu Eingeständnissen zwingen, und diese Strategie führt nicht zu einem Handelsabkommen vor der Präsidentschaftswahl.

Eine Eskalation kann etwa aus einer weiteren Erhöhung der Zölle von 10 auf 25 Prozent auf chinesische Waren im Wert von 300 Mrd. US-Dollar bestehen (die jüngste Eskalation war die Ankündigung von Zöllen in Höhe von 10 Prozent mit Wirkung ab dem 1. September). Oder aus Sanktionen gegen chinesische Finanzunternehmen, die deren Zugang zum US-Dollar und zu US-Vermögenswerten einschränken. Möglich ist auch ein Währungskrieg, in dem die Amerikaner den US-Dollar gegenüber dem chinesischen Yuan schwächen, um die Konkurrenzfähigkeit ihrer Unternehmen zu stärken.

Verfolgt der US-Präsident diesen Weg, kann die Weltwirtschaft in eine Rezession stürzen – und genau diese massiv negative Auswirkung ist das stärkste Argument gegen die Möglichkeit, dass Trump diese Lösung wählt. Denn klar wäre in solch einem Fall: Auch die US-Wirtschaft und der US-Aktienmarkt würden stark beeinträchtigt. Doch vielleicht überschätzt Trump die Stärke der amerikanischen Wirtschaft und den politischen Gewinn, den er durch die Demonstration eines harten Kurses gegenüber den Chinesen erzielen kann.

Vernünftiges Wirtschaftswachstum wahrscheinlich

Obwohl wir das letzte Szenario fürchten, ist das nicht unser erwartetes. Es besteht eine viel größere Wahrscheinlichkeit für eine Besserung oder eine Beibehaltung des Status quo im Laufe des kommenden Jahres. Trotz des Handelskriegs gehen wir momentan weiterhin von einem vernünftigen Wirtschaftswachstum aus, das den Unternehmen akzeptable Gewinne sichert – vor allem, weil die Zentralbanken die Wirtschaft mit einer lockeren Geldpolitik unterstützen.

Ein Marktkommentar von Lars Skovgaard Andersen, Investmentstratege bei Danske Bank Asset Management.