Griechenland ist weiter nicht kreditfähig

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20. August 2018
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Redaktion RISIKO MANAGER

Griechenland beendet heute sein drittes Hilfsprogramm, ist aber nach wie vor nicht kreditfähig. Ob Griechenland dauerhaft ohne Finanzhilfe auskommen werde, sei zweifelhaft.

So urteilen die Analysten des cep. Sie haben das krisengeschüttelte Land für eine Ad-hoc-Analyse unter die Lupe genommen. Nicht nur der hohe Schuldenstand von zuletzt 180 Prozent des BIP lasse Zweifel aufkommen, sondern auch der anhaltende Verfall der griechischen Kreditfähigkeit. Dieser setzte sich zwar nicht mehr so rapide fort wie in den Vorjahren, sei aber dennoch beachtlich, sagen die Autoren des cep-Default-Index, Lüder Gerken und Matthias Kullas.

Auch der Konsum ist in Griechenland erschreckend hoch und ein weiterer Grund für die Probleme. Das Land konsumiert 107 Prozent des verfügbaren Einkommens und lebt damit im 13.Jahr in Folge über seine Verhältnisse. Zum Vergleich: Die deutsche Konsumquote betrug vergangenes Jahr 88 Prozent, die der EU 93 Prozent. .Das Land war acht Jahre lang auf finanzielle Hilfen aus dem Ausland angewiesen und hat mit 289 Mrd. € anderthalb Mal so viel Finanzhilfe benötigt wie die anderen vier Euro-Krisenstaaten zusammen. Durch die niedrigen Zinsen und langen Laufzeiten der Finanzhilfen spart Griechenland pro Einwohner über 30.000 Euro an Zinszahlungen. Die Entlastung durch den Schuldenschnitt 2012 ist dabei noch nicht berücksichtigt. Trotz der langen Laufzeiten und niedrigen Zinsen ist unklar, ob sich Griechenland langfristig am Kapitalmarkt wird refinanzieren können. Die Euro-Staaten haben dem Land am 21. Juni 2018 umfangreiche Schuldenerleichterungen, allem voran Laufzeitverlängerungen und Zinsstundungen für EFSF-Darlehen, zugesagt. Sie sollen dazu führen, dass der griechische Bruttofinanzbedarf auf absehbare Zeit 20 Prozent des BIP nicht überschreitet. Ein Großteil der Schuldenerleichterungen steht unter dem Vorbehalt, dass Griechenland begonnene Reformen fortsetzt und einen jährlichen Primärüberschuss von 3,5 Prozent des BIP erwirtschaftet. Dies wird vierteljährlich von der EU-Kommission, der Europäischen Zentralbank, dem Internationalen Währungsfonds und dem Europäischen Stabilitätsmechanismus überwacht. 

Die griechische Regierung müsse die Haushaltskonsolidierung konsequent fortsetzen und Maßnahmen zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und zur Erhöhung der Standortattraktivität ergreifen, empfiehlt die Freiburger Denkfabrik. Die ausführliche Analyse mit übersichtlichen Grafiken finden Sie hier

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