Frankfurt beliebt bei Brexit-Banken

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09. Mai 2017
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Von Hans Bentzien

Die Bundesanstalt für Finanzdiensleistungsaufsicht (Bafin) spürt ein lebhaftes Interesse von Banken am Standort Frankfurt, die ihre Geschäfte mit der EU wegen des EU-Austritts Großbritanniens künftig nicht mehr von London aus betreiben können. "Alleine auf der Bankenseite haben wir von einer zweistelligen Anzahl von Banken in Aussicht gestellt bekommen, dass sie sich für Frankfurt entscheiden werden", sagte der für Bankenaufsicht zuständige Exekutivdirektor Raimund Röseler. "Wir gehen davon aus, dass im zweiten Halbjahr die konkreten Anträge reinkommen werden." Insgesamt hat die Bafin "mit deutlich mehr als 20 Instituten" geredet, darunter auch Dienstleistern, die auf der Wertpapierseite tätig seien. Interesse zeigten auch Fonds- und Ratinganbieter und, in geringerem Maße, Versicherer.

Bafin-Präsident Felix Hufeld sagte mit Blick auf die Banken: "Wir reden faktisch mit allen großen Instituten." Diese großen Marktteilnehmer verfolgten häufig die Strategie, nicht alle Eier in einen Korb zu legen, sondern sich in mehr als einer Stadt niederzulassen. "Frankfurt spielt dabei eine sehr herausgehobene Rolle", versicherte Hufeld. Zur Frage des Clearings von Euro-Derivaten äußerte er sich zurückhaltend. "Ich würde mich nicht als Fan einer Location Policy bezeichnen", sagte er. Die EU-Kommission hatte in der vergangenen Woche eine stärkere Regulierung zentraler Gegenparteien angekündigt, über die auf Euro lautende Derivate abgewickelt werden. Dabei würden auch Standortfragen eine Rolle spielen. Beobachter hatten das als Hinweis darauf gewertet, dass die Kommission einem Clearing von Euro-Derivaten in London nach einem EU-Austritt Großbritanniens kritisch gegenübersteht. Hufeld sagte, Standortvorgaben könnten erhebliche Nebenwirkungen haben. Er wies darauf hin, dass der größte Teil des Dollar-Clearing außerhalb der USA stattfinde. (DJN)

 

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