Fed half Morgan Stanley und Goldman durch die Stresstests

ERM
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03. Juli 2018
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Von Liz Hoffman, Lalita Clozel

Goldman Sachs und Morgan Stanley standen kurz davor, bei einem Teil des jährlichen Bankenstresstests durchzufallen. Doch die US-Notenbank Federal Reserve machte ihnen ein Angebot, wie sie das schlechte Ergebnis vermeiden und weiterhin Milliarden an ihre Aktionäre ausschütten könnten. Dieses Vorgehen ist in der achtjährigen Geschichte der Fed-Stresstests bisher einzigartig und eines der deutlichsten Anzeichen für den Wandel, der sich in der US-Bankenaufsicht seit der Wahl von US-Präsident Donald Trump vollzieht. "Neue Schiris, neue Regeln", schreibt die Beratungsfirma PricewaterhouseCoopers. Die jüngsten Stresstests waren die ersten unter Aufsicht von Randal Quarles, einem ehemaligen Wall-Street-Anwalt und Private-Equity-Manager, den Trump vergangenes Jahr zum obersten Aufseher der Fed machte.

Bei Telefonaten mit den Wall-Street-Giganten warnten Fed-Vertreter am 21. Juni, dass die beiden Institute ihre 16 Mrd. US-Dollar an geplanten Ausschüttungen fast halbieren müssten, um den Stresstest zu bestehen. Das berichten mit den Gesprächen vertraute Personen. Die Fed bot den beiden Banken jedoch einen Ausweg: Wenn sie sich bereiterklärten, ihre Ausschüttungen auf dem Niveau der vergangenen Jahre einzufrieren, könnten sie den Misserfolg beim Stresstest vorerst vermeiden. Damit könnten sie zusammen 13 Mrd. US-Dollar an ihre Kunden ausschütten, 5 Mrd. Dollar mehr, als wenn sie den Test hätten wiederholen müssen. Dieser alternative Weg steigert auch die offizielle Ertragskraft, von der die Vergütung von Goldman-Chef Lloyd Blankfein und Morgan-Stanley-Chef James Gorman abhängt.

Goldman und Morgan Stanley scheiterten ursprünglich am quantitativen Teil des Tests, der bemisst, ob die Kapitalausstattung in einer Stresssituation über einem bestimmten Niveau bleiben würde. Der qualitative Teil nimmt subjektivere Aspekte wie die Qualität von Bankdaten und dem Management unter die Lupe. Der diesjährige Stresstest war der strengste bisher. Er modellierte ein Szenario mit einer Arbeitslosenquote von 10 Prozent, Markteinbrüchen und hohen Kreditausfällen. Fed-Vertreter sagen, dass ihre Nachsicht gegenüber Goldman und Morgan Stanley teils mit den Auswirkungen der Steuerreform von 2017 zu tun habe. Diese habe den Wert bestimmter Steueraktiva gemindert, sodass sie mit dünneren Kapitalpolstern das Krisenszenario bestehen mussten. Die Einigung mit der Fed ist jedoch keineswegs ein voller Erfolg für Goldman und Morgan Stanley. Beide fielen am Freitag an der Börse um über 1 Prozent. Investoren wollen, dass Banken die Ausschüttung an Aktionäre jährlich erhöhen, solange die Gewinne steigen. Dennoch ist es den beiden Banken besser ergangen als ohne das Angebot der Fed. Hätte Goldman die Kapitalanforderungen der Fed voll erfüllen müssen, hätte das Institut nur Aktien im Wert von 1 Mrd. Dollar zurückkaufen können. Jetzt darf es 5 Mrd. Dollar für Aktienrückkäufe ausgeben, berichten Insider. 

Die Kompromissbereitschaft der Fed steht im deutlichen Kontrast zum Vorgehen der vergangenen Jahre. 2014 zum Beispiel überraschte sie die Citigroup mit der Nachricht, dass das Institut durchfallen würde. Die Entscheidung des Fed-Direktoriums fiel einstimmig. Auch das von Barack Obama eingesetzte Mitglied Lael Brainard stimmte zu. 

Die Stresstests unterlaufen indes noch einige andere Veränderungen. Die Fed hat dieses Jahr drei Unternehmen mit einer Bilanzsumme von weniger als 100 Mrd. Dollar vom Stresstest befreit. Der Umgang mit Morgan Stanley und Goldman zeigt, dass die Fed sich flexibler zeigt denn je. Auch State Street konnte die Kapitalanforderungen im Krisenszenario nicht erfüllen, bestand den Test jedoch trotzdem. "Die Fed war sehr freundlich", sagt Arthur Angulo, Managing Director bei der Promontory Financial Group und ein ehemaliger Fed-Mitarbeiter. Die Flexibilität im quantitativen Teil des Tests führe jedoch in eine Grauzone.  

Behörden, die von Trumps eigenen Kandidaten geleitet werden, haben schon häufiger Regeln gelockert. Vor kurzem haben Aufseher eine Lockerung der Volcker-Regel vorgeschlagen, die den Eigenhandel der Banken einschränkt. Der Übergangsdirektor der Verbraucherschutzbehörde CFPB, Mick Mulvaney, hat in seiner Amtszeit kaum noch Ermittlungsverfahren eröffnet und will weniger auf Konfrontationskurs mit der Branche gehen, die die Behörde überwacht. Im Mai unterschrieb Trump außerdem ein neues Gesetz, das Bankenregeln aus der Nachkrisenzeit für kleine und regionale Institute zurücknimmt. (DJN) 

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