Fed denkt über Zusammensetzung ihres Portfolios nach

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19. März 2019
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Nick Timiraos

Die US-Notenbank wendet sich der wichtigen Aufgabe zu, die Zusammensetzung der von ihr gehaltenen Papiere zu bestimmen. Die Struktur wird von großem Interesse für die Märkte sein – mit Auswirkungen auf die Wirtschaft und die Geldpolitik.

Die Märkte haben die Ankündigung der Federal Reserve (Fed) über das Ende ihres Bilanzabbaus im Laufe dieses Jahres bejubelt, aber die Festlegung des genauen Datums ist nur eine von mehreren Herausforderungen. Nun wenden sich die Geldpolitiker der noch sensibleren Aufgabe zu, die Zusammensetzung der von der Zentralbank gehaltenen Papiere zu bestimmen. Insbesondere müssen sie sich für die richtige Kombination von Treasurys unterschiedlicher Dauer entscheiden - ob meist kurzfristige Titel oder eine Mischung, die auch längerfristige Schuldverschreibungen und Anleihen enthält.

Diese Zusammensetzung wird für die Märkte von großem Interesse sein, mit Auswirkungen auf die Wirtschaft und die Geldpolitik. Die Zusammensetzung „ist politisch relevanter als viele der Dinge, die die Menschen über die Bilanz diskutiert haben“, wie zum Beispiel die Größe, sagte der Präsident der Boston-Fed, Eric Rosengren, in einem Interview.

Der Fed-Chef Jerome Powell hat signalisiert, dass die Zentralbank bereit ist, am Mittwoch nach ihrer Sitzung bekannt zu geben, wann sie den Bilanzabbau ihres vier Bio. Dollar schweren Portfolios stoppen wird. Die Notenbanker werden die Frage der Zusammensetzung wahrscheinlich diese Woche aufgreifen, obwohl die Diskussionen wohl zumindest bis zu ihrem nächsten Treffen, das am 1. Mai endet, weitergehen werden.

Präferenz für Erhöhung der Bestände

Mehrere Geldpolitiker haben in jüngsten Interviews und öffentlichen Erklärungen eine Präferenz für die Erhöhung ihrer Bestände an kurzfristigen Titel geäußert, aber sie wollen es auf eine Weise tun, die die Märkte nicht erschüttert.

Die Fed hat zwischen 2008 und 2014 für Billionen Dollar hypothekarisch gesicherte Wertpapiere und länger laufende Staatsanleihen gekauft, um das Wachstum anzukurbeln. Geldpolitiker glauben, dass das Halten langfristiger Wertpapiere die Finanzmärkte und die Wirtschaft stimuliert, indem sie die langfristigen Zinsen senken und Investoren zu Aktien und Anleihen treiben. Ein auf kurzfristige Treasurys ausgerichtetes Portfolio dürfte wenig Impulse liefern.

Vor der Krise im Jahr 2008 betrug die durchschnittliche Laufzeit der Treasury-Bestände der Fed weniger als vier Jahre. Jetzt sind es etwa neun Jahre. Die durchschnittliche Laufzeit aller ausstehenden Treasury-Anleihen beträgt fast sechs Jahre.

Nachdem das Portfolio nicht mehr schrumpft, wird die Fed wahrscheinlich ihre Hypothekenbestände weiter reduzieren, indem sie sie einfach auslaufen lässt, derzeit rund 15 Mrd. Dollar pro Monat. Sie könnte sich dafür entscheiden, die Erlöse aus fälligen Pfandbriefen in Treasurys zu investieren.

Zwei verschiedene Ansätze für die Zusammensetzung

Die Notenbanker erwägen zwei verschiedene Ansätze für die Frage der Zusammensetzung. Die Protokolle der Dezember-Sitzung der Zentralbank zeigten, dass mehr Währungshüter eine Gewichtung ihrer Bestände in Richtung kürzerer Laufzeiten bevorzugen und die Portfoliozusammensetzung wieder auf die Vorkrisenkonfiguration zurückführen wollen.

Einige Vertreter unterstützten hingegen die Beibehaltung einer Mischung aus kurz-, mittel- und langfristigen Wertpapieren in einem Verhältnis, das dem ausstehenden Treasurymarkt entspricht. Kansas-City-Fed-Präsidentin Esther George sagte in einem Interview im Januar, dass sie diese Strategie bevorzuge

Nach der Theorie, dass der Kauf und das Halten längerfristiger Wertpapiere mehr Anreize bieten, wäre der erste Ansatz für die Finanzmärkte weniger stimulierend. Der Hauptanreiz dieses Ansatzes besteht darin, dass die Fed leichter in der Lage sein könnte, das Wachstum in einem Abschwung zu stimulieren, indem sie wieder auf langfristige Wertpapiere umsteigt, ohne zuerst ihre Bestände zu erhöhen, wie sie es bei den als „quantitative Lockerung“ bezeichneten Anleihekäufen tat.

„Es ergibt mehr Munition, wenn man quantitative Lockerung nicht nur als Größe, sondern auch als Dauer definiert“, sagte William Dudley, der von 2009 bis 2018 als Präsident der New Yorker Fed tätig war, in einem kürzlich erschienenen Interview. „Es wäre schön, wenn man maximalen Spielraum hätte, um dieses Instrument zu benutzen. Wenn die Fed ein kürzeres Treasury-Portfolio hätte, gäbe es mehr Spielraum“, sagte er.

Rosengren hat darauf hingewiesen, dass die Fed weniger Instrumente haben wird, um auf den nächsten Abschwung zu reagieren, da niedrigere Nominalzinsen die Zentralbank mit weniger Spielraum für ihre Senkung belasten werden. Er sagte in einem Interview, dass die Fed in Erwägung ziehen sollte, die Dauer des Treasury-Portfolios jetzt zu verkürzen, „sodass wir, wann immer wir diese nächste Rezession haben, die Möglichkeit haben, die Laufzeit zu verlängern und einen Teil der Dauer vom Markt zu nehmen".

Hypothekentitel noch lange Zeit im Portfolio

Die Fed besitzt derzeit keine Treasurys mit einer Laufzeit von einem Jahr oder weniger, was 15 Prozent der ausstehenden Treasury-Wertpapiere entspricht. „Bemerkenswert ist, welchem der beiden Ansätze sie auch immer folgen mögen, sie werden einen Haufen kurzfristige Papiere kaufen müssen“, sagte Seth Carpenter, US-Chefökonom bei UBS, der zuvor sowohl bei der Fed als auch beim Finanzministerium tätig war. 

Die Fed-Notenbanker sind sich einig, dass sie im Laufe der Zeit zu einem ausschließlich aus Staatstitel bestehenden Portfolio übergehen sollten, aber das könnte viele Jahre dauern, weil ihre Hypothekenanleihen erst in Jahrzehnten vollständig auslaufen. Im jüngsten Tempo der Hausrefinanzierung könnte die Fed Mitte des nächsten Jahrzehnts noch rund 500 Mrd. Dollar an Hypothekenbeständen besitzen.

Die Notenbanker sind nicht erpicht, die Möglichkeit des Verkaufs von Pfandbriefen zu diskutieren, weil sie nichts tun wollen, um einen bereits fragilen Immobilienmarkt zu stören. „Irgendwann könnte es einen aktiveren Ansatz geben (zur Reduzierung der Hypothekenbestände), aber das ist sicherlich nichts, was ich auf kurze Sicht für relevant halte“, sagte Fed-Gouverneur Lael Brainard Anfang dieses Monats. (DJN)

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