Fälle von Eingehungsbetrug nehmen zu

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05. April 2017
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Von Stefan Hirschmann

Das Risiko des Eingehungsbetrugs (auch Stock-Betrug genannt) nimmt offenbar zu. Gemäß einer Analyse des Bedburger Versicherungsmaklers VIA Delcredere erhalten zunehmend mehr Unternehmen vermeintlich lukrative Aufträge, deren Auftraggeber nie planten, für diese Warenbestellungen auch nur einen Cent zu bezahlen. Lieferanten von schnell verwertbaren Produkten sind besonders gefährdet. Geschäfte werden schnell abgewickelt, das beauftragte Unternehmen liefert zügig, bleibt dann aber auf allen Kosten sitzen. Der Empfänger der Ware ist nicht mehr zu ermitteln, häufig werden hier von den Betrügern falsche Firmenanschriften verwendet. „Die Fälle solchen Betrugs haben zuletzt weiter zugenommen, sowohl Kreativität als auch kriminelle Energie scheint längst nicht ausgeschöpft“, warnt Risikomanager Heiko Walter von VIA Delcredere. Zwar sei Eingehungsbetrug eine Straftat (über den allgemeinen Paragrafen zum Betrug: § 263 StGB) – die Erfolgschancen, auf juristischem Wege alle Kosten und Aufwendungen wieder zu bekommen, seien jedoch recht gering. Zudem könnten sich die Ermittlungen und eine Verurteilung über eine sehr lange Zeit hinziehen, während der das geschädigte Unternehmen außer Unsicherheit und weiteren Kosten nichts in der Hand hat. „In einem Satz: Wenn überhaupt Geld fließt, dann in ferner Zukunft“, so Walter

Auch die Kreditversicherer warnen inzwischen vor diesem Risiko, selbst dann, wenn sie gar keine Police im Angebot haben, die diese Gefahr abdeckt. „Das ist ein deutliches Signal dafür, dass auch sie vermehrt Schadensfälle beobachten“, glaubt Walter. Der beobachtete Anstieg an Fallzahlen spiegele auch die Erfahrung der Versicherungsmakler wider. Und je größer ein Markt für das Produkt, desto höher ist die Anzahl der Betrugsversuche. Über die Warenkreditversicherung ist der Eingehungsbetrug nicht abgedeckt. Wichtig ist deshalb, sämtliche innerbetrieblichen Schutzmechanismen zu erhöhen und die Workflows so zu gestalten, dass Anfragen und Aufträge vor Zustandekommen des Kaufvertrages durch mehrere Risikomanagement-Instanzen geprüft werden. Hilfreich sind zudem technische Sicherheitsvorkehrungen, beispielsweise automatische Systemwarnungen bei veränderter Lieferanschrift eines bekannten Kunden oder sehr kurzfristiger Auftragserteilung bei überdurchschnittlich hohem Auftragsvolumen. Durch eine Vertrauensschadenversicherung lässt sich das Risiko zudem transferieren: Im Rahmen dieser Police kann Versicherungsschutz unter anderem gegen Verluste durch Dritte (Eingehungsbetrug) gewährleistet werden. Allerdings ist darauf zu achten, dass die Bedingungen den aktuellen Bedürfnissen des Unternehmens entsprechen und ausreichenden Deckungsschutz gewährleisten.

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