EZB geht NPL-Risiken an

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20. März 2017
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Stefan Hirschmann

Die Europäische Zentralbank (EZB) erhöht den Druck auf die Banken, den Umgang mit notleidenden Krediten (Non-performing Loans – NPL) zu priorisieren und Maßnahmen, Verfahren und Best Practices zu entwickeln, um das NPL-Problem in seiner Gesamtheit anzugehen. Hierfür hat die EZB-Bankenaufsicht einen Leitfaden vorgelegt, den von den Instituten – je nachdem, wie gravierend die NPL-Problematik und wie groß der NPL-Bestand in ihren Portfolios ist – vollumfänglich anzuwenden ist. Darin werden die Banken aufgefordert, eine realistische und ehrgeizige NPL-Strategie umzusetzen, zu der auch Bereiche wie Governance und Risikomanagement zählen. Banken sollten beispielsweise sicherstellen, dass Führungskräfte Anreize zur Umsetzung von NPL-Abbaustrategien erhalten. Diese Strategie sollte zudem von den jeweiligen Leitungsorganen überwacht und gesteuert werden.

Zum Ende des dritten Quartals 2016 beliefen sich die NPL-Bestände bedeutender Kreditinstitute des Euro-Währungsgebiets auf 921 Mrd. €. Hohe NPL-Bestände schmälern den Spielraum der Banken zur Kreditvergabe an die Wirtschaft und zehren wertvolle Zeit des Managements auf. Daher ist aus Sicht der EZB ein entschlossenes Handeln gefragt. Gleichwohl erkennen die Regulatoren an, dass der Abbau hoher NPL-Bestände einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Auch von den Regierungen fordert die EZB ein entschlossenes Vorgehen zur Anpassung der rechtlichen und justiziellen Rahmenbedingungen, um den Banken den Abbau ihrer NPL-Bestände zu erleichtern.

Die EZB formuliert in ihrem Leitfaden keine quantitativen Zielwerte für den NPL-Abbau. Vielmehr fordert sie die Banken auf, eine Strategie auszuarbeiten, die eine Reihe möglicher Richtlinien zu Themen wie NPL-Abwicklung, Servicing und Portfolioverkäufe enthalten könnte. Der Leitfaden soll von nun an Bestandteil des fortwährenden Dialogs zwischen Aufsicht und den einzelnen Banken sein. Dabei orientiert sich die EZB am Grundsatz der Verhältnismäßigkeit und begleitet die Banken so eng, wie es ihr angesichts der Größe des NPL-Portfolios und des Ausmaßes der NPL-Problematik der jeweiligen Bank geboten scheint. Bei Banken mit hohen NPL-Beständen haben die Aufsichtsbehörden bereits erste Schritte in die Wege geleitet. Das Verfahren soll sicherstellen, dass Banken ihre NPL-Bestände entsprechend den Erwartungen der Aufsichtsbehörden steuern und abbauen.

 

Foto: Bernd Schaller (Bank-Verlag)