EZB äußert sich skeptisch zur Konjunktur

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26. November 2018
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Von Hans Bentzien

Der Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), Peter Praet, hat auf die zuletzt schwachen Wirtschaftsdaten des Euroraums hingewiesen. Praet deutete zugleich die Bereitschaft des Instituts an, ein neues langfristiges Refinanzierungsgeschäft zu begeben, um für eine anhaltend hohe Überliquidität zu sorgen.

Bei einer Konferenz in Frankfurt kündigte Praet außerdem für Dezember Informationen über die Dauer der Wiederanlage von Erträgen fällig gewordener Wertpapiere an und thematisierte die Duration der im Rahmen des Ankaufprogramms APP erworbenen Papiere. Zu den Wachstumsaussichten äußerte er sich eher skeptisch.

„Ich kann nichts über das Dezember-Meeting sagen, aber Sie haben sicherlich Recht mit ihrer Annahme, dass wir dann näher erklären müssen, was wir meinen, wenn wir von 'längerer Zeit' („extended period of time“) sprechen“, sagte Praet beim 33. Internationalen Zinsforum. Laut ihrem aktuellen geldpolitischen Statement rechnet die EZB derzeit damit, dass sie die Erträge fällig gewordener Anleihen für längere Zeit, auf jeden Fall aber so lange wie notwendig, wieder anlegen wird.

Ebenfalls noch unklar sind technische Aspekte dieser Reinvestitionspolitik. Praet sprach in seiner Rede die Tatsache an, dass die Duration der insgesamt erworbenen Wertpapiere sinken würde, wenn sie keine zusätzlichen Papiere mehr ankauft. Praet sagte, neben den Leitzinsen und der sie betreffenden Forward Guidance sowie den noch laufenden Nettoanleihekäufen seien für die geldpolitische Ausrichtung auch die Reinvestitionen von Belang und dabei auch die Frage, wie lange man reinvestiere und wie viel Duration man dem Markt entziehe oder eben nicht entziehe. 

Liquiditätsversorgung wichtig

Von Bedeutung ist nach Aussage des EZB-Chefvolkswirts aber auch die Liquiditätsversorgung. „Wir achten stark auf die Überschussliquidität“, sagte er und fügte hinzu:  „Ohne einen neuen TLTRO (Targeted Long Term Refinancing Operation) würde die Überschussliquidität fallen.“

Zu den Wachstumsaussichten des Euroraums äußerte sich der EZB-Chefvolkswirt eher skeptisch. „In letzter Zeit haben einige Abwärtsrisiken zugenommen“, sagte er. Der Einkaufsmanagerindex sei sehr schwach gewesen, und auch andere Daten seien nicht gut gewesen. Mehr könne er zu diesem Thema nicht sagen, da die EZB gerade die Projektionen für die Ratssitzung im Dezember vorbereite. Praet sagte weiter, die Geldpolitik müsse noch für einige Zeit sehr akkommodierend bleiben. Er sagte aber auch: „Wir werden die Nettoanleihekäufe sehr wahrscheinlich einstellen.“

Laut ihren jüngsten geldpolitischen Beschlüssen rechnet die EZB damit, dass die Nettokäufe von derzeit monatlich 15 Milliarden Euro am Jahresende eingestellt werden. Einen förmlichen Beschluss hierüber müsste die EZB aber noch bei ihrer Ratssitzung am 13. Dezember beschließen. Praet sagte außerdem, dass die geldpolitischen Zyklen in den USA und im Euroraum noch eine Weile sehr verschieden bleiben würden. Über die möglichen Reaktionen der EZB auf eine neue Rezession mochte Praet auf Nachfrage nicht spekulieren. Er sagte: „Darüber spricht die EZB nicht gerne, weil wir an den Märkten keine Erwartungen wecken wollen.“ Sicher wäre eine neue Rezession für die EZB aber noch schwerer zu managen als die vorige. (DJN) 

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