Die Deutsche Bank wird eigenständig bleiben

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23. Januar 2019
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Leon Müller

Fusioniert die Deutsche Bank mit der Commerzbank zu einem nationalen Banken-Champion? Oder wird sie, wie von der Europäischen Zentralbank (EZB) präferiert, Teil einer neuen europäischen Superbank? Gerüchte hin, Spekulationen her – die Wahrheit ist: Am Ende behält Deutsche Bank-Chef Christian Sewing recht. Das Institut bleibt eigenständig. Der Grund dafür ist allerdings alles andere als erfreulich. Doch er ist nicht zu übersehen.

Laut dem Präsidenten des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Dieter Kempf ist es für die hiesige Wirtschaft wichtig, eine leistungsfähige, international tätige Bank zu haben – und genau das ist die Deutsche Bank. Dass es in Berlin Pläne geben soll, Deutschlands führendes Geldhaus mit der Commerzbank zu verschmelzen, ist ein alter Hut, der alle paar Tage oder Wochen aus dem Schrank geholt wird. Natürlich sprechen die Protagonisten miteinander. Und selbstverständlich sprechen auch Vertreter des Bundesfinanzministeriums hier und da mit den Vorständen von Unternehmen mit nationaler (und internationaler) Bedeutung. Dass die Fusionspläne allerdings Form angenommen hätten, wollte bisher keiner der Beteiligten bestätigen. Im Gegenteil: Sewing wiederholte inzwischen mehrfach, dass hier nichts geschehen werde, ehe die Deutsche Bank ihre Hausaufgaben gemacht habe. 

 

Keine ernstzunehmende Option

 

Durch die Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank entsteht ein Institut, dass im internationalen Vergleich kaum besser dastehen würde als die Deutsche Bank allein. Skepsis bezüglich eines Zusammenschlusses äußerte kürzlich Klaus Nieding, Vize-Präsident des Deutschen Schutzbundes für Wertpapierbesitz (DSW). Dadurch, dass sich zwei Lahme zusammentäten, entstehe noch kein olympiatauglicher Leichtathlet. Die beiden Großbanken hätten zu viele überlappende Geschäftsfelder, als dass ein solcher Zusammenschluss wirklich Sinn machen würde. Nieding sah keinen gesteigerten wirtschaftlichen Sinn in einem solchen Unterfangen.

 

BDI-Chef Kempf steht mit seiner Forderung, einen leistungsfähigen Partner im Rücken haben zu wollen, keineswegs allein. Auch Nieding argumentiert, dass die Deutsche Bank das Institut sei, welches Großprojekte deutscher Wirtschaftsunternehmen am umfassendsten finanzieren könne. Daher sei das Geldhaus von großer Bedeutung, denn es sei sicher nicht im Interesse der deutschen Wirtschaft, zukünftig vielleicht nur noch ausländische Banken bei solchen Projekten anfragen zu können.

 

Einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge präferiert die EZB die Schaffung einer europäischen Superbank unter Beteiligung der Deutschen Bank. Weder der BDI, noch Christian Sewing, noch Politiker in Verantwortung können ein solches Szenario in Erwägung ziehen. Denn eine Beteiligung der Deutschen Bank an einem solchen Superinstitut hätte Stand heute zur Folge, dass die Deutsche Bank stets die Rolle des Junior-Partners einnehmen würde. Warum die Sinnigkeit eines solchen Vorhabens negiert werden muss, zeigt ein einfacher Blick auf den europäischen Bankensektor. Gemessen an der Marktkapitalisierung reiht sich die Deutsche Bank hier ganz unten in der Tabelle ein. Mit gerade einmal 16,8 Mrd. Euro ist sie ein Zwerg. Selbst in fragwürdigen Konstellationen wie bei einem Zusammenschluss mit der belgischen KBC Groep müsste sie kleinbeigeben, weil selbst diese – hierzulande kaum bekannte Bank – mit 24,5 Mrd. Euro deutlich mehr wert ist als Deutschlands größte private Bank.

 

Von einer Lead-Position kann keine Rede sein 

 

Britische Fusionspartner dürften vor dem Hintergrund des nahenden Brexits nicht in Frage kommen. Institute wie Standard Chartered (22,7 Mrd. Euro), Royal Bank of Scotland (30,8 Mrd. Euro) und Barclays (30,9 Mrd. Euro) fallen unter diesem Gesichtspunkt aus dem Raster. Andere wie die HSBC spielen in einer anderen Liga (147,4 Mrd. Euro). Denkbar wäre ein Zusammengehen mit Credit Suisse (27,4 Mrd. Euro) oder UBS (45,4 Mrd. Euro). Doch selbst um in Schlagdistanz zur kleineren Credit Suisse zu gelangen, müsste die Deutsche Bank beim Börsenwert um fast 10 Mrd. Euro zulegen. Umgerechnet auf die einzelne Aktie würde das bedeuten, dass diese auf mindestens 12,80 Euro steigen müsste – und selbst dann hätte die Deutsche Bank gerade einmal Augenhöhe erreicht. Von einer Lead-Position bei einer Fusion kann da noch nicht die Rede sein. 

 

Ergo muss man feststellen, dass weder die Spekulationen über einen Zusammenschluss von Deutscher Bank und Commerzbank einen Sinn machen, noch die Schaffung einer europäischen Superbank unter Beteiligung der Deutschen Bank. Oder anders gesagt: Es gibt derzeit für die Deutsche Bank keine ernstzunehmende Option eines Zusammenschlusses mit einem anderen Bankhaus. 

 

Die Deutsche Bank muss – wie Sewing richtig feststellt – erst ihre Hausaufgaben erledigen, um dann gegebenenfalls aus einer Position der Stärke heraus in etwaige Gespräche gehen zu können. Dazu muss sie erstens wieder damit beginnen, Gewinne zu erwirtschaften (am 1. Februar wird sie die vorläufigen Zahlen für 2018 veröffentlichen). Zweitens muss der Konzernumbau mit aller Entschlossenheit vorangetrieben werden – selbst wenn dabei schmerzhafte Schritte zu gehen sein sollten, etwa die vierte Kapitalerhöhung seit der Finanzkrise.

 

Ein Marktkommentar von Leon Müller, Chief Editor des Börsen-Briefing, dem täglichen Newsletter des Anlegermagazins „Der Aktionär“.