Brexit schmerzt Banker vor allem beim Gehalt

ERM
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13. April 2018
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Von Paul J. Davies

Wenn es eine Gruppe von Menschen gibt, die einen Grund hat, sich ganz persönlich über den Brexit zu ärgern, dann ist es die der europäischen Banker und Fondsmanager mit einem Einkommen von mehr als 1 Mio. Euro im Jahr. Von ihnen gab es 2016, dem Jahr des britischen Votums für den Ausstieg aus der europäischen Union, 10 Prozent weniger als im Vorjahr – nicht etwa wegen Massenentlassungen, sondern als direktes Ergebnis des fallenden britischen Pfunds, was sich auch auf den Wert ihrer lukrativen Vergütung auswirkte.

Es gibt aber keinen Grund, Mitleid mit ihnen zu haben. Es war in der Branche nämlich nie leichter, viel Geld zu verdienen. Europäische Vorschriften zur Begrenzung der Boni trugen dazu bei, dass die Fixgehälter im Investmentbanking auf mehr als durchschnittlich 900.000 Euro im Jahr stiegen. Das Geld bekommen die Investmentbanker, egal wie gut oder schlecht das Geschäft läuft. Banken und andere Finanzunternehmen müssen der Bankenaufsicht EBA mitteilen, wie viele ihrer Mitarbeiter mehr als 1 Mio. Euro im Jahr verdienen. Die jüngsten Daten, die diese Woche von der Behörde veröffentlicht wurden, bezifferten die Gesamtzahl der Großverdiener im europäischen Finanzsektor 2016 auf 4.597 nach 5.142 im Jahr 2015. 

Jedoch hatten mehr als drei Viertel dieser Leute ihren Sitz in Großbritannien, wo sie ihr Geld in Pfund bekommen. Es hätte also laut EBA 500 Einkommensmillionäre mehr gegeben, hätte das Pfund nach dem Brexit-Votum nicht so stark nachgegeben. Was die zentrale Rolle Großbritanniens in der europäischen Finanzwelt untermauert, ist die Tatsache, dass die 500 Banker, die aus der ersten Gehaltsliga herausfielen, immer noch zahlreicher sind als die Zahl der Großverdiener in allen anderen Ländern der EU. Deutschland hatte mit immerhin 253 Bankern die zweithöchste Zahl von Einkommensmillionären in der Branche. (DJN)

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