Blockchain und Verbriefung: Die perfekte Symbiose

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27. September 2017
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Von Ulf Kreppel, Nick Wittek, Thorsten Peisl

Das Revolutionspotenzial von Blockchain wird mit dem des Internets verglichen. Das Weltwirtschaftsforum spricht von Blockchain als dem „Beating Heart“ des Finanzsystems. Mehr als 24 Länder, 80 Prozent der Banken und 90 Zentralbanken beschäftigen sich rund um den Globus mit dem Thema Blockchain. In den letzten drei Jahren wurden mehr als 2.500 Patente in diesem Bereich angemeldet. Der nachstehende Artikel erläutert die Grundkonzepte von Blockchain und Smart Contracts und einige Möglichkeiten, wie diese im Bereich Verbriefung eingesetzt werden könnten bzw. welche Vorteile damit verbunden wären.

Blockchain selbst ist keine Anwendungssoftware oder ein Programm, sondern bezeichnet zunächst nur eine bestimmte, nicht-manipulierbare Art des Aufbaus einer Datenbank. Man stelle sich ein Register vor, in dem bestimmte Vertragsabläufe und aufeinanderfolgende rechtserhebliche Vorgänge dokumentiert werden, wie z. B. das Handelsregister oder das Grundbuch. Im Unterschied zu einem herkömmlich Register erfolgt die Verwaltung jedoch nicht zentral durch eine Stelle, sondern dezentral durch alle, dem Register angeschlossenen Parteien (man spricht hier von sog. Nodes). Jeder Teilnehmer hat eine Kopie der das Register darstellenden Datenbank auf seinem Rechner. Zur Teilnahme benötigt man eine entsprechende Zugangssoftware sowie kryptographische Schlüssel (sog. private und public key). Wenn eine Transaktion in der Datenbank registriert werden soll, muss diese durch den Inhaber des privaten Schlüssels ausgelöst werden. Außerdem muss diese Transaktion von allen oder zumindest einer vorab festgelegten Mehrheit von Teilnehmern bestätigt, d. h. validiert werden. Im Bitcoin-System validieren Teilnehmer mittels Durchsicht der historischen Transaktionen auf deren Node, ob der Sender Inhaber der zu übertragenden Anzahl von Bitcoins ist. Alle validen Transaktionen werden in einem Block zusammengefasst. Alle Teilnehmer stimmen in Zyklen ab (sog. Consensus), wann der Block mit welchen Transaktionen in welcher Reihenfolge geschlossen wird. Jeder geschlossene Block ist mit einem Code (Hash) versehen und trägt zudem den Hash des Vorgängerblocks. Auf diese Art werden die Transaktionsblöcke über die Hashs zu einer Kette verbunden (daher der Begriff „Blockchain“); über die Kette der Transaktionen lassen sich Änderungen bis zum Ursprung nachverfolgen und Kontostände zu jedem Zeitpunkt errechnen. Die Tatsache, dass jeder Node eine Kopie aller Transaktionsdaten hat und mit dieser Datenhistorie die Validität einer neuen Transaktion prüft, bevor er seine Zustimmung erteilt, macht die Blockchain unmanipulierbar.

Ähnlich wie bei Computern gibt es verschiedene „Betriebssysteme“ für eine Blockchain. Die bekanntesten sind Bitcoin, R3 Corda, Hyperledger und Ethereum. Darüber hinaus gibt es Spezialanbieter von Blockchain-Lösungen zur Wertpapierabwicklung, wie z. B. Digital Asset Holding aus den USA und RISE Financial Technologies in Europa. Je nach System können die Zugangsvoraussetzungen für Teilnehmer, der Umfang der Daten, die die Teilnehmer sehen, die Berechtigungen zur Initiierung einer Transaktion und die Validierungserfordernisse für eine Transaktion unterschiedlich ausgestaltet werden. Das macht die Blockchain vielseitig und für nahezu alle Anwendungsgebiete individuell einsetzbar.

Smart Contracts
Smart Contracts sind Computerprogramme, die aus „Wenn …, dann …“-Befehlen aufgebaut sind. Diese Art von Befehlen ist nicht neu. Neu hingegen ist die Tatsache, dass Smart Contracts wie die Blockchain verteilt auf vielen Nodes gleichzeitig laufen und das Ergebnis nach einer Validierung und allgemeiner Zustimmung in die Blockchain geschrieben wird. Das automatisierte, parallele Betreiben der Smart-Contract-Programme und das parallele Abspeichern der Daten in Blockchain-Nodes machen die individuellen Programme unmanipulierbar, und deren Durchführung kann nicht von einer einzelnen Partei verhindert werden.

Blockchain und Verbriefung
Bei einer Verbriefungstransaktion verkauft der Originator seine Forderungen an eine Verbriefungsgesellschaft (SPV). Der Kaufpreis wird durch die Ausgabe von (gerateten) Schuldverschreibungen, die durch die angekauften Forderungen besichert sind, finanziert. Der Originator zieht die Forderungen weiterhin über seine Bank ein und leitet die Erlöse an das SPV weiter. Das SPV bedient mit den Erlösen die Schuldverschreibungen (und übrige Transaktionsbeteiligte) nach Maßgabe einer festgelegten Zahlungsreihenfolge (sog. Wasserfall). Jede Verbriefungstransaktion beinhaltet eine Reihe von vorbereitenden und begleitenden Schritten, für die (zur Zeit noch) externe Dienstleister beauftragt werden: von der Bestätigung der Selektionskriterien durch einen Wirtschaftsprüfer über die Zusammenstellung der zu verkaufenden Forderungen durch einen IT-Servicer und die Verwaltung der Zahlungseingänge auf und die Zahlungen an die Gläubiger von den SPV-Konten durch den Cash Administrator und die Transaktionsbank bis hin zum Erstellen des Investor-Reports durch den Servicer. Ein Nachteil dieser traditionellen Herangehensweise sind Effizienz- und Synergieverluste.

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[Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Fachzeitschrift RISIKO MANAGER 09/2017. Die Ausgabe ist seit dem 27. September 2017 lieferbar und kann auch einzeln bezogen werden.]

Autoren:
Ulf Kreppel, Partner, Jones Day, Dr. Nick Wittek, Partner, Jones Day, Thorsten Peisl, Chief Executive Officer, RISE Financial Technologies.

Artikelbild: ©paulafrench - iStockphoto