Bedenken wegen Eigentümerstruktur

ERM
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25. Juli 2017
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Von Anjani Trivedi und Julie Steinberg

Der größte Aktionär der Deutschen Bank will mit Offenlegung seiner neuen Eignerstruktur Zweifel an seiner Transparenz zerstreuen: Die chinesische HNA hat jetzt offenbart, wer die Firma auf dem Papier kontrolliert. In einem firmeneigenen Dokument listet die Gruppe 15 Einzelpersonen und Organisationen auf, die als eigentliche Besitzer agieren sollen. In der größten Änderung seit früheren Mitteilungen verfügt die internationale Sparte von HNAs gemeinnütziger Stiftung, die erst im Vorjahr in New York gegründet wurde, über nahezu 30 Prozent der Anteile. Zusammen mit der Inlandsorganisation, welche bereits 2010 geformt wurde, haben beide Stiftungseinheiten nunmehr über 50 Prozent an der HNA inne.

Andere große Anteilseigner sind die Gründer und Chairmen Chen Feng sowie Wang Jian, die jeweils fast 15 Prozent halten. Adam Tan, HNAs Chef und Vize-Chairman, der allgemein als treibende Kraft hinter der Auslands-Einkaufstour angesehen wird, besitzt knapp 3 Prozent. Ab sofort will HNA seine Eignerstruktur jährlich veröffentlichen. Die Änderungen im Anteilsbesitz, die allesamt aus diesem Jahr stammen, bringen die HNA zur Gänze in die Hände von ihr nahestehenden Organisationen und Einzelpersonen. Anteilsbesitz von Privatinvestoren außerhalb der Gruppe wurde ausgeschaltet, berichtet ein Insider. Dadurch verlagert sich auch nahezu ein Drittel des Besitzes an der Gruppe außerhalb des Reichs der Mitte. Zugleich gewähren die Veröffentlichungen Einblick in die HNA zu einer Zeit, in der Peking mehr Klarheit über die Großzukäufe und deren Finanzierungen verlangt. Neben der Deutschen Bank ist HNA auch erheblich an der Hotelkette Hilton beteiligt. Nunmehr hat sich der Anteilsbesitz der HNA-Stiftungen, die wenig über ihre Arbeitsweise, Kontrolle und Tätigkeiten preisgeben, nahezu verdoppelt. Zunächst hatte HNA seine Inlandsstiftung mit einem Beitrag von 3 Mio. US-Dollar ausgestattet, dann überschrieb HNA im Jahr 2013 rund 22 Prozent seiner Aktien der Stiftung.

Manche Investmentbank macht lieber einen Bogen um HNA
In den USA und Europa werden zunehmend Behörden auf chinesische Firmen und deren Auslandszukäufe aufmerksam und hinterfragen deren Regierungsverbindungen sowie Kaufmotive. Auch Peking geht gegen die hohe Verschuldung von Konglomeraten wie HNA, Dalian Wanda und Anbang vor, die allesamt eifrig im Ausland Vermögen erwerben. Derweil bleiben die Bedenken bestehen, wie die Eigentümerstruktur sich im Endeffekt auswirkt und wie die Gelder in diesem Konzernlabyrinth fließen. HNA hat für seine Zukäufe eine ganze Reihe von eigenen Organisationen benutzt. So hat wohl eine HNA-Stiftung den 25-Prozent-Anteil an Hilton geschultert, für den vergangenes Jahr 6,5 Mrd. US-Dollar hingeblättert wurden. Unklar ist, ob die Änderungen im Anteilsbesitz nunmehr etwas an diesen Transaktionen verschieben. Die bisherige Ungewissheit ließ so manche US-Investmentbank schon vor Geschäften mit der Gruppe zurückschrecken. So berät die Citigroup den Konzern nicht bei Akquisitionen. Trotzdem findet HNA wohl immer noch Partner. Die Gruppe spricht von vielen globalen Investmentbanken, mit denen sie Geschäfte macht. (DJN)

 


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