Banken können den Märkten bei Krisen nicht mehr aus der Patsche helfen

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12. Februar 2019
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Von Paul J. Davies

Die Großbanken tun sich derzeit schwer damit, im Fall einer schweren Krise angeschlagene Märkte wirklich effektiv über Wasser zu halten. In der nächsten heftigen Krise müssen womöglich die Notenbanken für sie in die Bresche springen. So sorgten die enormen Börsenschwankungen im vierten Quartal bereits für niedrigere Kapitalquoten bei mehreren europäischen Geldhäusern in ihren jüngsten Finanzberichten. Von der Kapitalseite her waren die Kosten nicht einmal exorbitant hoch, aber es zeigte sich, dass Kapitalregeln für den Bankensektor Marktturbulenzen noch verschlimmern können, da die Finanzkonzerne deswegen risikoscheuer werden. Ein wichtiger Grund: Die Investoren wollen dann sowieso ihre Assets über Bord werfen oder wenigstens ihre Positionen absichern.

Kapitalregeln erschweren Banken Rolle als Retter der Märkte

Anders als bei der letzten Krise im Finanzwesen dürfte die nächste wohl eher von einem Ansturm weg von Investmentfonds als von einem Run auf die Banken ausgelöst werden. Die Regulierer sorgen sich schon um potenzielle Probleme bei der Marktliquidität, denn viele Fonds haben ihren Investoren zugesagt, dass sie in kürzester Zeit an ihre Gelder kommen. Dieses Recht räumten die Fonds sogar für schwer veräußerbare Assets ein. 

Seit 2008 büßten die Banken einiges ihrer Fähigkeit ein, Schocks an den Märkten zu absorbieren. Das taten sie traditionell immer, indem sie Aktien, Anleihen oder andere Assets von Investmentfonds aufkauften und später bei einer Marktberuhigung verkauften. Der Grund für die geminderte Fähigkeit: Änderungen der globalen Kapitalregeln machen es für die Banken viel teurer, hohe Bestände mit finanziellen Assets zu halten.

Allerdings gibt es einen weiteren Aspekt bei den Regeländerungen, der sich in den jüngsten Bank-Quartalszahlen widerspiegelt. Wenn die Märkte ins Straucheln geraten, klettert eine wichtige Messlatte, wie viel Geld sie an einem Tag verlieren können: Der sogenannte Value at Risk (VaR). Bei einer solchen Entwicklung müssen die Geldhäuser dann noch mehr Kapital vorhalten, um gewisse Marktrisiken abzudecken.

Deutsche Bank, Société Générale und UBS wiesen allesamt auf einen Anstieg dieser marktorientierten Messlatten bei ihren risikogewichteten Aktiva hin. Letzteres ist die Bilanzkalkulation, die benutzt wird, um Kapitalauflagen aufzustellen. Analysten von RBC Capital sehen diese höheren Marktrisiken als Grund dafür an, dass mehrere Finanzinstitute bei ihren Ergebnissen patzten und eigene Ziele sowie Anlegererwartungen bei den Endjahres-Kapitalquoten verfehlten.

Banken wegen Kapitalregeln im Krisenfall besonders risikoscheu

Mehrere US-Banken berichteten auch über einen Anstieg des Werts der potenziellen Verluste, die ihnen an einem einzigen Tag drohen. Doch auf JP Morgan und Citigroup hatte das nicht die gleiche Wirkung wie auf die europäischen Konkurrenten, da sie noch ganz andere Einschnitte bei ihren Assets im Marktgeschäft zu spüren bekommen hatten. Doch für alle Banken weltweit gilt, dass sie wegen der höheren Kapitalkosten im Fall einbrechender Märkte lieber weniger stark ins Risiko gehen – und das zu einer Zeit, in der die Investoren auf die ruhige Hand der Banken als Haupt-Marktakteure hoffen, und darauf, dass sie von den Geldhäusern die Mittel erhalten, um Kunden auszuzahlen.

Notenbanken als schlechter Ersatz

Das artet auch zu einem echten Problem für die Notenbanken aus. Wenn die nächste Marktkrise kommt, müssten sie in die Rolle als Marktretter und letzter Ausweg springen. Das gesamte Finanzsystem auf diese Weise direkt zu stützen, dürfte sich als komplizierter und riskanter entpuppen, als – wie bisher – den Weg über die Geschäftsbanken zu gehen. Manche Politiker mögen auch gegen diese Macht der Notenbanken dann ankämpfen. Das wird für alle Beteiligten schmerzhaft. (DJN) 

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