Ausfallrisiken deutscher Unternehmen nehmen ab

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27. April 2017
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Von Stefan Hirschmann

Vor dem Hintergrund des robusten makroökonomischen Umfelds hat auch die Stabilität des deutschen Unternehmenssektors zugenommen. So sank der Anteil ausgefallener Unternehmen im Jahr 2016 kräftig auf nunmehr 1,45 Prozent – ein signifikanter Rückgang gegenüber 2015, als die Ausfallrate bei 1,6 Prozent gelegen hatte. Die empirische Ausfallrate folgte somit ihrem längerfristigen Abwärtstrend und erreicht überdies einen neuen Tiefststand. Dies zeigt eine aktuelle Analyse der Ausfallrisiken deutscher Unternehmen, die von der Creditreform Rating AG veröffentlicht wurde. Die europäische Ratingagentur verwendet im Rahmen der Analyse eine Basel-III-konforme Definition des Ausfallereignisses, das mehr als die unternehmerischen Insolvenzen umfasst, die in den amtlichen Statistiken abgebildet werden – z.B. den Zahlungsverzug von 60 bzw. 90 Tagen. Besonders stark hat das Ausfallrisiko in den kleinteiligen Segmenten des deutschen Unternehmenssektors abgenommen.

„Der Anteil der Unternehmen, der zum Jahresende 2016 ausgefallen war, ist bei den Mikrounternehmen, die im Jahr weniger als 500.000 € erwirtschaften, von 1,68 auf 1,52 Prozent gesunken. Besser haben sich im abgelaufenen Jahr nur die Unternehmen entwickelt, die zwischen zwei und 10 Mio. € umsetzen – hier fiel die Ausfallquote binnen Jahresfrist um 0,18 Prozentpunkte auf lediglich 0,94 Prozent“, erläutert Michael Munsch, Vorstand von Creditreform Rating. Demgegenüber hätten die Ausfallrisiken am anderen Ende des Unternehmensspektrums – von einem sehr niedrigen Niveau kommend – leicht zugenommen.

Die Berechnungen der Ratingagentur aus Neuss zeigen zudem, dass die Ausfallraten auf Jahressicht über die gesamte Breite des Branchenspektrums rückläufig waren. Am niedrigsten ist das Default Risk nach wie vor in der Grundstoffindustrie, die eine Ausfallrate von 0,79 Prozent aufweist. Höhere Rückgänge waren in der Konsumgüterindustrie oder der chemischen Industrie zu beobachten, in denen sich der Anteil der Defaults von 1,42 bzw. 1,20 Prozent in 2015 auf derzeit 1,18 bzw. 0,99 Prozent zurückgebildet hat. Im Vergleich der Bundesländer belegen die Stadtstaaten Berlin und Bremen die hintersten Plätze und weisen mit 2,01 bzw. 1,71 Prozent eine vergleichsweise hohe Ausfallrate auf. Gleichwohl ist auch hier die Zahl ausgefallener Unternehmen rückläufig.

Die niedrigsten Ausfallraten liegen mit 1,14 bzw. 1,23 Prozent im thüringischen und bayerischen Unternehmenssektor vor. Mit Blick auf die Zukunft erwartet Creditreform Rating, dass das deutsche Wirtschaftswachstum im laufenden Jahr leicht auf 1,6 Prozent zurückgehen dürfte, wobei dies vor allem durch die geringere Anzahl der Arbeitstage bedingt ist. „Wir gehen grundsätzlich davon aus, dass die deutsche Wirtschaft ihrer soliden Grundtendenz weiter folgen wird“, prognostiziert Benjamin Mohr, Chefvolkswirt von Creditreform Rating. „Getragen von den positiven Wachstumsaussichten sollte die empirische Ausfallrate der deutschen Wirtschaft ihren Abwärtstrend fortsetzen und ihren bisherigen Tiefststand erneut unterschreiten. Für das Jahr 2017 rechnen wir mit einem Rückgang auf 1,41 Prozent.“

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