Anschuldigungen gegen Barclays wohl keine Bedrohung für Lizenz

ERM
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13. Februar 2018
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Von Paul J. Davies

Barclays muss sich mit einer weiteren Betrugsklage der britischen Behörden auseinandersetzen. Schon im Sommer vergangenen Jahres waren die Bank und ehemalige Manager, darunter der frühere CEO, verklagt worden. Die Anschuldigungen beziehen sich auf die 12 Mrd. Pfund schwere Notfinanzierung während der Krise 2008. Der schwerwiegendste Vorwurf lautet, dass die Bank ihren katarischen Investoren 3 Mrd. US-Dollar geliehen habe, mit denen diese wiederum Anteile an der Bank gekauft hätten. Barclays weist die Vorwürfe zurück und will sich vor Gericht wehren. Die Klage aus dem Sommer ging gegen die Holdinggesellschaft.

Die neuen Anschuldigungen richten sich nun aber gegen die operative Barclays-Gesellschaft, die die Banklizenz des Konzerns hält. Die neue Klage gefährdet - zumindest theoretisch - die gesamte Existenz der Bank: Wenn sie für schuldig befunden würde, könnte ihre Lizenz eingezogen werden. Es wird vermutet, dass das Serious Fraud Office (SFO) so versuche, Barclays zu einem Schuldeingeständnis und einem Vergleich zu bewegen, statt die Angelegenheit vor Gericht auszufechten.

Zum Glück für die Barclays-Aktionäre klingt das alles schlimmer als es wahrscheinlich ist. Es sind Zweifel angebracht, ob die Banklizenz wirklich in Gefahr ist. Barclays ist nach Bilanzsumme die zweitgrößte Bank Großbritanniens. Es bestünde die erhebliche Gefahr, dass Chaos ausbrechen und das gesamte Finanzsystem in Mitleidenschaft gezogen werde, sollte die Bank ihre Lizenz tatsächlich verlieren. Die Bank of England, die für die Finanzstabilität verantwortlich ist, reagierte nicht auf die Frage, wie sie im Falle eines solchen Ereignisses agieren würde. 

Eine Klage gegen die operative Einheit der Bank soll demonstrieren, dass diese Gesellschaft und nicht die Holding den im Zentrum des Falls stehenden Kredit vergeben hat. Die SFO mag sich bislang aus Sorge zurückgehalten haben, dass ein drohender Lizenzverlust das Vertrauen der Sparer in die Bank unterminieren könnte. Jedoch bedeutet eine strafrechtliche Klage gegen eine Bank nicht mehr automatisch eine existenzielle Bedrohung. Mehrere Banken haben sich mittlerweile in verschiedenen Fällen schuldig bekannt, nachdem Credit Suisse in den USA 2014 den ersten Schritt gemacht hatte. Bis es ernst wird, dürfte es noch eine Weile dauern, eine Verhandlung wird wohl nicht vor Anfang 2019 beginnen. Aber trotzdem ist Vorsicht geboten. Verliert die Bank in diesem Fall, wird sie das eine Menge Geld für Strafen kosten. Außerdem würde die aktuelle Führungsriege wohl wegen der Entscheidung, den Streit im Gerichtssaal auszutragen, ihren Job verlieren. (DJN)

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