Anlagestrategien: Für den Mittelstand zählen Sicherheit und Liquidität

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16. Oktober 2019
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Redaktion RISIKO MANAGER

Die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) stellt den Mittelstand vor große Herausforderungen, was die Anlagemöglichkeiten liquider Mittel betrifft. Einer aktuellen Erhebung zufolge bezeichnen 86 Prozent der Unternehmen ihre Anlagestrategie als liquiditäts- bzw. sicherheitsorientiert.

Chancen- bzw. risikoaffin seinen dagegen nur etwa 10 Prozent. Bereits für 14 Prozent der Firmen spiele das Kriterium Nachhaltigkeit bei Anlageprodukten eine Rolle. Das sind die zentralen Ergebnisse einer Umfrage der Commerzbank, für die das Meinungsforschungsinstitut Forsa beauftragt wurde. Befragt wurden bundesweit 500 Entscheider in Unternehmen mit einem Jahresumsatz ab 15 Mio. Euro.

Während bei der entsprechenden Umfrage im Vorjahr noch längerfristige Anlagen im Fokus gestanden hätten, lege aktuell knapp die Hälfte der Unternehmen (48 Prozent) kurzfristig mit einem Zeithorizont von bis zu einem Jahr an, hieß es. Mittelfristige (ein bis drei Jahre) bzw. langfristige (länger als drei Jahre) Anlagen würden von jeweils etwa einem Fünftel favorisiert. Die mit 41 Prozent am meisten genutzte Anlageform sei das Termingeld. Währungsanlagen oder Fonds spielten mit je 13 Prozent eine untergeordnete Rolle. Wenn Unternehmen in Fonds anlegten, bevorzugen sie den Angaben zufolge gemischte Fonds (56 Prozent) und Aktienfonds (51 Prozent). Die breite Mehrheit (76 Prozent) lege selbst an, während ein knappes Viertel eine professionelle Vermögensverwaltung oder ein gemanagtes Mandat nutze.

Wie es weiter hieß, habe knapp ein Drittel der Unternehmen (29 Prozent) in den letzten zwölf Monaten Negativzinsen bezahlt, größere Firmen häufiger (36 Prozent) als kleinere. Der Dienstleistungssektor sei hier mit 36 Prozent stärker betroffen als etwa der Handel (25 Prozent). Als Konsequenz schichten die Unternehmen demnach in andere Anlageformen um (37 Prozent oder investieren verstärkt im eigenen Betrieb (32 Prozent). Interessant sei auch, dass derzeit 25 Prozent der Befragten keine Veränderung ihres Anlageverhaltens planten. „Der Druck der EZB-Zinspolitik auf den Geld- und Kapitalmarkt ist nicht nur für Banken, sondern auch für unsere Kunden mittlerweile deutlich spürbar“, erklärte Oliver Haibt, der bei der Commerzbank das Anlagegeschäft mit mittelständischen Firmen verantwortet.

Die neue Studie liefert demnach erstmals auch Angaben zu alternativen und digitalen Anlageformen. Für ein knappes Fünftel der Unternehmen kämen Investitionen in Handelsfinanzierungen in Frage. Alternativen wie Zinsportale, Peer-to-Peer- oder Social-Trading-Plattformen seien dagegen für weniger als 10 Prozent der Befragten vorstellbar. Die Ergebnisse zeigten außerdem, dass sich die Beratungsbedürfnisse geändert hätten: Während nahezu alle Firmen den elektronischen Zahlungsverkehr nutzten, lege inzwischen knapp die Hälfte (46 Prozent) auf diesem Weg auch Tages- oder Termingelder an. Bereits 29 Prozent der Unternehmen wickeln demnach ihren Devisenhandel digital ab. (ud)

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